Der Sonntag machte die Tour de MOZ das Dutzend voll. Auf zum Bunten Hering, dem deutsch-polnischen Hansestadtfest, lautete das Motto der 12. Etappe. Trotz mancher Regenschauer kamen 32 Radler zum HEP. Hedwigs Einkaufspark in Neuberesinchen feierte Startort­-Premiere für die abwechslungsreiche 50 Kilometer lange Fahrt durch Frankfurts Ortsteile.
Schon am HEP hieß es "Hoch soll sie leben". Charlotte Henze – die älteste in der großen Tour-de-MOZ-Familie – hatte ihr Versprechen wahr gemacht. Genau an diesem Tag wurde die kleine, noch immer so sportliche Frau 91 Jahre alt – und nahm die aktuelle Etappe zum Anlass, "so allen Feierlichkeiten daheim in Strausberg zu entfliehen", wie sie mit schelmischem Blick bemerkte. Da ahnte sie noch nicht, dass im MOZ-Festzelt am Marktplatz eine große Torte auf sie wartete.
Erstmals im Pulk dabei: Hans Engel und sein Freund und Nachbar Hans-Joachim Rademacher. Ex-Handballer Engel war mit dem Frankfurter ASK 1975 Europapokalgewinner der Landesmeister. Der wurfgewaltige Rechtshänder brachte es auf 156 Länderspiele und erzielte 230 Tore. Er wurde 1975 mit der DDR-Auswahl sogar Vize-Weltmeister. "Schnee von gestern. Ich bin heute hier, weil ich so viel Gutes von der MOZ-Tour hörte. Und habe mein Kommen nicht bereut", meinte der 70-Jährige lachend.
Güldendorf, Lossow, Kliestow, Booßen, Wildpark, Rosengarten, Lichtenberg, Hohenwalde, Markendorf – mehr Ortsdurchfahrten gehen auf einer Route wohl kaum. Vor allem dem immer bestens vorbereiteten Tourenführer Jürgen Sobeck ist es zu verdanken, dass besonders die "Auswärtigen", die Frankfurt und Umgebung nicht kennen, auf ihre Kosten kamen. Sie hörten bei zahlreichen Stopps Anekdoten und jede Menge Historie. Auf dem Ziegenwerder zum Beispiel war von den Bade-Tradition in der Oder die Rede, die 1956 durch die Schließung der letzten Badeanstalt aber beendet wurde. Die Promenade über die Insel ist nach dem Turn-Olympiasieger von 1896 und langjährigem Betreiber der Badeanstalt, Hermann Weingärtner, benannt. Dort tummelten sich am Sonntag übrigens mehr als 60 Teilnehmer des Stadtfest-Angelturniers. Martin Erdmann gewann vor Jörg Winkler und Jens Raedel.

Viele Geschichten am Rand

Auch über Frankfurts ehemalige Nikolaikirche, anno 1226  erbaut, später Reformierte Kirche und seit 1929 Friedenskirche  genannt, konnte Jürgen Sobeck viele Geschichten erzählen. "Es ist immer wieder spannend, dem Tourführer zuzuhören", lobte Martin Edinger aus Fünfeichen bei Eisenhüttenstadt. Er war versehentlich schon Samstag angereist – einen Tag zu früh. "Werde wohl langsam alt", spottete er.
Der 75-jährige Werner Last aus Storkow, früher Getränke-Großhändler, hatte sich schon im vorigen Jahr an der Dörfer-Tour rund um Frankfurt beteiligt. "Aber immer wieder erfahre ich was Neues." Vor wenigen Jahren haben er und seine Christa sich zwei E-Bikes zugelegt. "Man wird ja nicht jünger. Aber das wir trotz des drohenden Regens nicht kommen, war nie eine Option."
Zu 22 Radtouren lädt das Märkische Medienhaus in diesem Jahr insgesamt ein. Am kommenden Sonnabend, 10 Uhr, startet an der Erdgastankstelle Eberswalde-Finow die nächste Etappe der Tour de MOZ. Es geht 45 Kilometer zum Schiffshebewerk, weiter nach Liepe und Niederfinow, zum Westernkulissen-Dorf Karlswerk bis Trampe und von dort nach Eberswalde.