Seit zwölf Jahren lädt Güldendorf rund um Ostern zu geführten Wanderungen ein. Vorbei geht es dann an Tausenden gelben Narzissen – Osterglocken genannt –, die den Ortsteil erleuchten. Auch diesmal hatten der Heimatverein, die Feuerwehr, der Angelverein und viele weitere Güldendorfer das Dorf für den ersten Veranstaltungshöhepunkt des Jahres herausgeputzt. Das Ziel der drei Kilometer langen Tour war ein spannendes Stück Güldendorfer Grün: der Märkische Naturgarten.
14,6 Hektar groß ist das Landschaftsschutzgebiet östlich der B 112 zwischen Fruchtstraße und Kämmereiweg. Eine Holzskulptur an der Ecke Krumme Straße weist den Weg in das verwunschene Naturidyll, dessen Profil an die Märkische Schweiz erinnert. Ursprünglich war der Naturgarten noch um einiges weitläufiger. Auf Anregung des Volksbundes Naturschutz hatte der Magistrat eine 35 Hektar große Fläche um den Faulen See bei Tzschetzschnow, wie Güldendorf damals hieß, und eine ehemalige Kiesgrube für das Vorhaben bereitgestellt. Der Güldendorfer Gartenmeister und Botaniker Carl Karstädt plante und schuf die Anlage, die einen Querschnitt der märkischen Natur vermitteln sollte. Eingeweiht wurde sie am 2. Mai 1926.
1938 der Einschnitt: der Straßenbau zwischen Frankfurt und Fürstenberg (heute Teil von Eisenhüttenstadt) zerteilte das Areal. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das, was vom Naturgarten übrig blieb, mit von der Schule genutzt, die im benachbarten Gutshaus untergebracht war. Als dort 1973 die Stasi einzog, wucherte der Park zu. Nach 1990 ging die Liegenschaft auf die Treuhand über, seit der Jahrtausendwende gehört sie der Stadt. Gepflegt aber wird das Naturidyll vor allem vom Heimatverein.
Dessen Mitglieder hatten auch Teile des Landschaftsschutzgebietes für den Spaziergang beräumt und freigeschnitten. Wanderführer Werner Weiß, Autor einer Reihe regionaler Naturtagebücher, brachte den Spaziergängern während des Rundgangs die Flora und Fauna des Naturgartens näher. "Der Maserpfuhl ist Lebensraum der Rotbauchunke. Ein erwachsenes Tier hätte in einer Streichholzschachtel Platz", erzählte er, und pinnte ein Foto der scheuen, aber lautstarken Amphibie an einen Baum. Vorbei  an gelben Windröschen und wildem Bärlauch, Ahornbäumen und Buchen kraxelte der Tross hinauf aufs Plateau, dem höchsten Punkt der Anlage, und wieder hinunter. Am Ende hatten sich Werner Weiß und die Osterglockenspaziergänger zweieinhalb Stunden Zeit für den Ausflug in den Naturgarten genommen. Verdient hat es die Grünanlage allemal.

Der Botaniker Carl Karstädt


Nach Angaben des Heimatvereins wurde Carl Karstädt 1870 in Angermünde geboren. Er besuchte die Handelsschule Hannover und war Gartenmeister. In Tzschetzschnow, dem heutigen Güldendorf, besaß Karstädt eine eigene Gärtnerei. Hier habe er sich vor allem mit der Samenzucht und der Kultivierung von Heilpflanzen beschäftigt. Im Frankfurter Verlag Trowitzsch&Sohn veröffentlichte er dazu Fachbücher. Carl Karstädt starb 1957 in Gnewikow bei Neuruppin. red/thg