„Aaa … eee … iii … ooo … uuu“ – so tönt es montagabends aus den offenen Fenstern vom Gemeindehaus Kreuz in Frankfurt (Oder). Drinnen singt sich der Gospelchor „Heavenly Voices“ warm. Mit Mund-Akrobatik beginnt die wöchentliche Probe – im Stehen, mit Sicherheitsabstand geht es kurz nach sieben los. „One, two, three…“, zählt Chorleiter Holger Pätzeldt an, am Piano sitzend.

Sänger schnipsen, klatschen – und singen aus voller Kehle

Dann singen 25 Frauen und Männer aus voller Kehle das afrikanisch-amerikanische Lied „Swing Low, Sweet Chariot“. Mit einem Mal verstummen alle – und eine Sängerin setzt zum Solo an, klar und kraftvoll. Schnipsend setzt der Chor wieder ein. „Gospel ist wie ein fliegender Teppich. Du setzt Dich drauf und schon hebt er ab...“ – dieser Spruch wird in Frankfurt-West lebendig. Zumindest jeden Montagabend, zwischen 19 und 21.30 Uhr.
„Bei unserer Gründung in 2001 waren immerhin schon drei Männer dabei“, erzählt Holger Pätzeldt lachend, der seine langjährige Erfahrung als Musiker, Sänger und Chorleiter mitbrachte. Inzwischen zählt „Heavenly Voices“ 35 Sängerinnen und Sänger mit einem A cappella-Repertoire von über 60 englischsprachigen Songs. Der Chor vereinigt Menschen mit und ohne Glaubensbekenntnis. „Uns verbindet vor allem der Wunsch, uns und unseren Zuhörern mit rhythmikbetonter und grooviger Musik viel Lebensfreude zu vermitteln“, sagt Pätzeldt.

Auftritte in Frankfurt, Polen und sogar in New Orleans

Die Sängerinnen und Sänger traten bisher in Frankfurter Kirchen, im Umland beiderseits der Oder - und 2009 sogar auf dem Gospelfestival „Rejoicing In The Park“ in New Orleans auf. Regelmäßig gibt es auch gemeinsame Auftritte mit dem Słubicer Chor „Adoramus“. Wegen Covid-19 fielen dieses Jahr die Chorreisen aus. Obwohl die Corona-Einschränkungen im März für einen dreiwöchigen Probenausfall sorgten, gibt es schon seit April wieder regelmäßige Treffen. „Wir haben dazu unseren Gemeindehausgarten genutzt, Demonstrationen durchgeführt und mehrfach in Innenhöfen von Senioreneinrichtungen gesungen“, berichtet der 60-jährige Leiter.

Mitgemacht wird aus Spaß am Singen und als Ausgleich zur Arbeit

Seit zwei Monaten wird nun wieder im gut durchlüfteten Gemeindehaus geprobt. Ein Drittel der Mitglieder traue sich aber noch nicht wieder herzukommen, aus Angst vor Ansteckungen. „Dabei sind die beim Singen durch Luft fliegenden Aerosole noch nicht richtig erforscht“, meint Pätzeldt. „Also, ich brauche einfach einen Ausgleich zur Arbeit – auch jetzt“, sagt Andreas Daßler, Bass-Sänger. Singen mache ihm einfach Spaß. Da kann ihm Kerstin Müller nur beipflichten. Sie singt seit ihrer Kindheit – am liebsten mit vielen anderen zusammen.

Klare Stimme und Rhythmusgefühl sollten Neulinge haben

„Oh happy day“, „Amen“ oder „Amazing Grace“ – wer diese Gospellieder bei „Heavenly Voices“ mitsingen möchte, kann montagabends in die Friedrich-Ebert-Straße 23 kommen. Und sich austesten. „Sauberer Gesang und eine klare Stimme sind mir wichtig“, erläutert Pätzeldt. Neben einem Rhythmusgefühl sollte man den „Groove“ spüren – und gute Laune mitbringen. Denn erst dann hebt der Gospel-Teppich ab.