Der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident, der am 29. Dezember verstarb, sei unter anderem "in besonderer Weise am Entstehen und an der Entwicklung der Viadrina beteiligt" gewesen, begründete Albeshausen. Die SPD-Politikerin erinnerte an einen Besuch Stolpes unmittelbar nach der Wiedergründung des Bundeslandes Brandenburg. Am 8. November 1990 hatte er mit Vertretern der Stadt, darunter die damalige Beigeordnete Sigrid Albeshausen, in Frankfurt über Zukunftsvisionen gesprochen. "Da ging es auch um die Gründung der Universität, ein schon ganz intensiver Wunsch der Frankfurter Politik. Stolpe sagte: wenn, dann sollte es eine Europa-Universität sein". Gut einen Monat später wurde die beabsichtigte Gründung der Viadrina in der  Regierungserklärung verkündet. "Meine Lehre daraus ist: So zügig können Dinge vorangebracht werden, wenn ein Wille vorhanden ist und er von starken Persönlichkeiten getragen wird."
Priestergasse als Vorschlag
Unterstützt wird das Ansinnen, Manfred Stolpe öffentlich in Frankfurt zu würdigen, unter anderem auch vom CDU-Stadtverordneten Christian Federlein. "Er ist derjenige, dem wir unsere Kreisfreiheit zu verdanken haben", sagte er. Als es um die Kreisreform ging, habe sich Stolpe gegen seine Parteigenossen gestellt. "Er hat gesagt: wir müssen Identität schaffen in Brandenburg und auch die Leuchttürme in der Peripherie hochhalten."
Der Beigeordnete Claus Junghanns machte auf eine Verwaltungsvorschrift aufmerksam, die noch in diesem Jahr geändert werden soll. "Nach derzeitigen Diskussionsstand ist beabsichtigt, solche Namensgebungen frühestens fünf bis zehn Jahre nach dem Tode vorzunehmen zu können", erklärte er. Gerade deshalb drängt Sigrid Albeshausen nun auf einen schnellen, grundsätzlichen Beschluss, "damit wir das nicht alle Ewigkeit verschieben". Als mögliche Fläche für eine Umbenennung – das Einverständnis der Angehörigen Stolpes vorausgesetzt – schlug sie die in unmittelbarer Nähe zur Universität gelegene Priestergasse vor.