Vor zwei Jahrzehnten gehörten sie noch selbstverständlich zum Frankfurter Stadtbild; so mancher gelangte mit ihnen zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen. Inzwischen ist die Zeit der Ikarus-Gelenkbusse aus Ungarn – in der Oderstadt und anderswo „Schlenki“ genannt – hierzulande längst vorbei. An ihrer Stelle bringen moderne, mit Erdgas angetriebene Busse aus dem Hause MAN die Frankfurter von A nach B; und die alten Straßenbahnen tschechischer Produktion werden durch moderne Niederflurbahnen abgelöst.
Was heute ebenso wie damals gilt: Menschen müssen dafür sorgen, dass alles läuft in so einem Unternehmen. Michael Ebermann, Geschäftsführer der Straßenverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder) (SVF), ist froh über seine Mitarbeiter und hofft, am Sonnabend neben den heutigen viele einstige Mitarbeiter auf dem Europaplatz begrüßen zu können. „Die SVF hat allen Grund, sich zum Jubiläum in die Öffentlichkeit zu begeben“, sagt der Geschäftsführer selbstbewusst und verweist auf Meilensteine der 20-jährigen GmbH-Geschichte. Ihren Anfang nahm sie mit der Abspaltung des ÖPNV-Vermögens aus dem damaligen VEB Kraftverkehr Frankfurt (Oder). Im August 1990 folgte der Beschluss der Stadtverordneten, das Unternehmen zu kommunalisieren; nach zähen Verhandlungen mit der Treuhand gelang dies im Jahr 1992.
„Die Kommunalisierung war genau der richtige Schritt“, sagt Michael Ebermann heute. „Wir haben uns damit die Möglichkeit geschaffen, Frankfurter Nahverkehrsangebote selbst zu gestalten und zugleich Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen sicherzustellen.“ Das sehe das Unternehmen bis heute als seine Hauptaufgabe: Menschen zu befördern, die aus den verschiedensten Gründen nicht mit dem Auto fahren können oder wollen und jene, die aus Überzeugung öffentliche Verkehrsmittel bevorzugen.
Das Frankfurter Angebot brauche sich hinter dem anderer, vergleichbarer Städte nicht zu verstecken, sagt der Geschäftsführer und spricht von einem „gut ausgebauten und leistungsfähigen ÖPNV“ in der Oderstadt. Dies bestätige sich regelmäßig bei Qualitätsüberprüfungen.
Schon bald nach der GmbH-Gründung, im Jahr 1993 – an den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg war noch nicht zu denken – bildete Frankfurt mit Umland-Verkehrsgesellschaften und der Deutschen Bahn eine Verkehrs- und Tarifgesellschaft, wie Michael Ebermann erinnert. Damals wurde auch die „Oderlandcard“ aus der Taufe gehoben und mit ihr vereinfachte sich über ein rechnergestütztes Betriebsleitsystem das Reisen in der Region. Fahrpläne wurden, wie es heute ganz selbstverständlich ist, besser aufeinander abgestimmt.
In Frankfurt wurden 1994 die ersten beiden von sechs neuen Niederflurstraßenbahnen in Betrieb genommen. Apropos Bahn: Beim Stadtverkehr hofft man, dass im zweiten Anlauf die grenzüberschreitende Straßenbahnverbindung tatsächlich verwirklicht wird. 2006 sei ganz offensichtlich die Zeit noch nicht reif gewesen, konstatiert Michael Ebermann. Er halte es aber für nicht mehr zeitgemäß, dass zwei Städte, die immer mehr zusammenwüchsen, nicht über gemeinsame Mobilitätsangebote verfügten. „Wir meinen, dass es mit der Straßenbahn in Frankfurt ein leistungsfähiges Verkehrssystem gibt und dass es gut wäre, es zu erweitern.“
Unterstützer hat die SVF in diesem Anliegen, das derzeit durch Gutachter geprüft wird, in der Bürgerinitiative Pro Tram, die am Sonnabend ebenfalls beim Tag der Fahrgäste vertreten sein wird. Auch der VBB, dessen Mitglied die Frankfurter Gesellschaft seit der Gründung am 1. April 1999 ist, hat sich angekündigt.