Rollstuhlfahrerin Maria Krüger, Jahrgang 1931, war gestern vermutlich die Älteste in großer Runde, die sich beim Safer Internet Day im Oderturm für die Geheimnisse, Gefahren, Freuden und Ärgernisse des Internets interessierte. Als sie zur Welt kam, wurde das Elektronenmikroskop und der Durchlauferhitzer erfunden.
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Damals revolutionär. Und heute? "Mein Enkel Robert, der jetzt Mitte 20 ist, hat mir einen richtigen Floh ins Ohr gesetzt. Jetzt surfe ich olle Frau im World Wide Web, wenn auch mit bescheidenen Ansätzen - und finde Gefallen daran." Aber sie habe natürlich auch Angst, "denn das Internet ist verführerisch, aber oft auch eine Falle."
Bei Jan Wilschke fühlte sich gestern nicht nur Maria Krüger gut aufgehoben. Der Chef der Frankfurter Verbraucherzentrale hatte zwischen dem Centermanagement und dem Presseshop eine Leinwand aufgestellt, um Themen wie sicheres Surfen oder die Gefahren der sozialen Netzwerke anschaulich in Wort und Bild darzustellen. Wilschke mahnte jung wie alt, mit Daten im Internet sparsam umzugehen. Wer zum Beispiel Mitglied bei Facebook sei, müsse dafür zwar nicht bezahlen. "Seine Währung sind aber alle Daten, die er preisgibt." Damit würde auch Missbrauch betrieben. Nach neuesten Erkenntnissen werden ein Drittel aller Bewerber, deren Unterlagen deutschlandweit in einem Personalbüro eintreffen, inzwischen auch mit Hilfe der sozialen Netzwerke überprüft. Jan Wilschke legte besonders jungen Leuten ans Herz, mit Film-, Bild- und Musikrechten seriös umzugehen. Weltweit habe sich eine wahre Abmahn-Industrie entwickelt. Anwälte seien förmlich darauf aus, Missbrauch im Internet zu entdecken - "um dann saftig abzumahnen."
800 Euro Streitwert für einen illegal heruntergeladenen Film seien keine Seltenheit.
Zu den Initiatoren des Safer Internet Day gehörten Heike Papendick vom Amt für Jugend und Soziales und JIM-Leiter Bastian Bielig. Beide hatten einen Herkules von Mann in den Oderturm gebeten: Martin Hampel, 1,90 Meter großer Medien-Pädagoge und Sozialarbeiter in der Ullrich-von-Hutten-Schule. Er berichtete vom Schulclub und dem Trainingsraum im Hutten-Haus, "wo wir - wie im Unterricht - Themen rund ums Internet angehen, die auch heute hier im Oderturm eine Rolle spielen." Dabei ginge es auch um Internet-Mobbing und Grenzen zum Suchtverhalten. Gerade die Jüngeren, die Zwölf- bis 14-Jährigen, seien leicht zu verführen.
Das Mikado in der Franz-Mehring-Straße 20, berichtete Bastian Bielig, biete dreimal in der Woche sogenannte Internet-Treffs an: montags, mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr. Dort könnten sich auch Eltern beraten lassen - eine Art Medienerziehung in der Familie. Heike Papendick verteilte indes an Interessierte den Flyer "Schau mal - was dein Kind da macht" und ergänzte: Im Land Brandenburg würden Fachkräfte einer Aktionsgruppe Kinder- und Jugendschutz jetzt auch Eltern-Kind-Seminare, Workshops und Gesprächskreise organisieren und Tipps für den Umgang mit Medien geben.
Center-Manager Ralf Müller fand den gestrigen Tag, der sich vor seiner Eingangstür abspielte "toll. 2014 werden wir ihn noch professioneller anbieten."
Die Aktionsgruppe Kinder- und Jugendschutz ist über Telefon 0331 9513170 zu erreichen; Bastian Bielig unter Tel. 0335 3871896
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