Am Donnerstag unterzeichneten Uni-Präsidentin Julia von Blumenthal und Wissenschaftsministerin Martina Münch eine Vereinbarung. Das Land fördert den Aufbau der neuen Einrichtung mit 4,16 Millionen Euro bis zum Jahr 2023.
"Das reicht uns erst einmal als Startkapital", sagt Vize-Präsident Prof. Jürgen Neyer, der das Vorhaben maßgeblich mitentwickelte. Eine Fakultät ist erst der übernächste Schritt. Für die, so Neyer, bräuchte man vier Millionen im Jahr. Erstmal entstehen vier neue Professuren, unter anderem zu Techniksoziologie, zu politischen, ethischen und juristischen Fragen der digitalen Gesellschaft.
Neyer formuliert einige: "Wo ist im Digitalen der öffentliche Raum? Wie verändert Digitalisierung die Arbeitswelt, Verwaltung, Medien und Wirtschaft? Welche Rechtsnormen brauchen wir? Und wo verorten wir uns in Europa angesichts der Modelle von Digitalisierung in China und den USA?"
Die ersten 30 Studierenden sollen ab dem Wintersemester 2020 den Master "Digital Entrepreneurship" beginnen, auf Englisch. Aus ganz Europa sollen sie möglichst kommen. "Agenten des digitalen Wandels wollen wir ausbilden", sagt Neyer. Reflektieren über die Digitalisierung solle mit Unternehmertum verbunden werden. Vorbild sei die 1919 gegründete "New School for Social Research" in New York, an der Größen wie Hanns Eisler und Erich Fromm lehrten. Sie verbanden intellektuellen Anspruch mit einem praktischen gesellschaftspolitischen.
Der neue interdisziplinäre Bereich soll die Zusammenarbeit zwischen Europa-Uni und der Posener Adam-Mickiewicz-Universität (AMU) neu beleben, vor allem das zur Zeit kaum genutzte Collegium Polonicum in Słubice, das die AMU verwaltet und bespielen muss. Dort werden die neuen Lehrstühle ihre Büros haben, dort soll studiert werden. Am Ende steht ein Doppelabschluss von Viadrina und AMU. Man freue sich über die Förderung des Landes und arbeite am Antrag zur Akkreditierung des neuen gemeinsamen Studiengangs beim polnischen Wissenschaftsministerium.
"Viadrina war Leader"
Die Zusage sei notwendig für den Start, teilt Posens Prorektor Tadeusz Wallas mit. Gemeinsam entwickelt wurde das Projekt kaum. "Die Viadrina war Leader", so Neyer. Die AMU beteiligt sich mit Sachleistungen, stellt die Räume, verwaltet den Studiengang und schickt Dozenten für Programmieren, Webdesign, maschinelles Lernen. Anders als die Viadrina hat die AMU mit ihren 37 000 Studierenden eine Fakultät für Mathematik und Informatik. Weitere Studiengänge zur Digitalisierung und Forschungstipendien sind angedacht, wird es aber nicht vor 2022 geben.