Es ist kein Geheimnis, dass Frankfurt - dank der geographischen Lage als Grenzstadt - eine Migrationskreuzung ist, wo sich verschiedene Völker und Kulturen berühren. Von rund 60 000 Einwohnern stammen etwa 3000 aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Schwierigkeiten, mit denen Migranten jeden Tag zu kämpfen haben, beschränken sich nicht nur auf die Beherrschung einer Fremdsprache. Viele hochqualifizierte Fachkräfte sind mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Westen gekommen. Doch in dem fremden Land finden sie keine Arbeit, ihre Bildungsabschlüsse werden nicht anerkannt. Die Folge sind ernste psychische Probleme wie Depressionen. Die wichtige Bedingung einer erfolgreichen Integration ist der Austausch mit Menschen, die ähnlichen Probleme und Interessen haben. Hier kommt Rodina ins Spiel. Diese gesellschaftliche Organisation wurde in kurzer Zeit zu einem Treffpunkt, einem Ort des Erfahrungsaustausches für alle, die der russischen Kultur gegenüber nicht gleichgültig sind.
Rodina heißt übersetzt "Heimat" - und genau das ist der Verein heute für 80 Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalitäten. Zehn Prozent davon sind Deutsche. Wichtige Projekte des Deutsch-russischen Zentrums sind der Aufbau einer Plattform für Kommunikation und das gegenseitige Verständnis zwischen russischsprachigen Migranten und Frankfurts Einwohner.
Rodina hilft Erwachsenen wie Kindern beim Erlernen der russischen und deutschen Sprache und bei der Übersetzung von wichtigen Dokumenten. Es gibt Arbeitskreise für verschiedene Interessensgruppen, zum Beispiel einen Damenklub, der kulinarische Erfahrungen und Koch-rezepte austauscht, oder eine sportliche Abteilung für Yoga, Gymnastik und Fitness. Für alle Musikliebhaber gibt es die Gitarrenklasse, für Poesiekenner einen literarischen Klub.
Im Juni ist ein neues Projekt gestartet: "Ihre Gesundheit in Ihren Händen". Hier können sich die Teilnehmer professionellen Rat zur richtigen Ernährungsweise und hygienischem Verhalten bekommen. Außerdem verbringen Mitglieder von Rodina viele Feiertage zusammen, besuchen Konzerte und Museen, fahren in die Natur, organisieren gemeinsame Reisen in verschiedene Städte Deutschlands und Polens.
Im vorigen Jahr bot das Zentrum ein Kindertheater mit Namen "Zabawa" an, wo Schüler zusammen mit ihren Eltern Drehbücher selbst schreiben, Kostüme entwerfen und nähen und die Bühnenbilder bauen konnten. Die Stücke gründen sich auf russische Märchen, es ist immer eine bunte Show mit viel Musik.
Eine gute Tradition ist das gemeinsamen Feiern des Weltfriedenstages am 1. September. 2011 lud Rodina zahlreiche Zuschauer zu einem großen multikulturellen Konzert ein, bei dem die Tanz- und Musikgruppen ihr Können zeigten. In diesem Jahr will Rodina für den Weltfriedenstag kulturelle Vereine aus Polen einladen. Seit 2010 führte Rodina mehr als 50 verschiedene Veranstaltungen durch.
Die Vorsitzende des Deutsch-russischen Integrations-und Kulturzentrums ist Jelena Schröder. Die Idee zur Bildung des Zentrums sei nicht von ungefähr geboren worden, sagt sie. Jelena Schröder stammt aus Russland, wohnt aber schon seit 26 Jahren in Frankfurt. Sie erinnert sich noch, dass in DDR-Zeiten in der Stadt die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft existierte. Dank der Arbeit dieser internationalen Bewegung hätten beispielsweise Menschen unschätzbare Hilfe bekommen, die unter der Atomreaktor-Katastrophe in Tschernobyl litten.
Jelena Schröder meint, dass Frankfurt große Perspektiven und Potential im Bereich der internationalen Zusammenarbeit hat: "Wenn wir die Bemühungen auf dem internationalen Niveau vereinigen werden, können wir viel erreichen, viele internationale Projekte realisieren, das Leben der Stadt verbessern." Im kulturellen Dialog werden immer frische Ideen und originelle Unternehmen geboren, ist Jelena Schröders Erfahrung. Wenn die Mitglieder von Rodina aktiv am Leben der Stadt teilnehmen, können sie Kontakte zwischen Ost und West knüpfen und Brücken der Freundschaft zwischen den Völkern schlagen. "Unser Ziel ist es nicht nur, Menschen zu vereinigen, ein Zuhaus-Gefühl auf fremder Erde zu schaffen, sondern auch einen ersten Schritt in eine bessere Zukunft der Stadt zu machen", sagt sie.