Längst vorbei sind die Zeiten, als die Straßenbahnen zum Schichtwechsel am Halbleiterwerk im Zwei-Minuten-Takt abfuhren. Das Gelände des DDR-Großbetriebs wird als Technologie- und Gewerbecenter vermarktet, und inzwischen steigt hier in die Bahn, wer bei Yamaichi, Oder-Rohre, dem Landeslabor oder in einem der anderen Unternehmen arbeitet. In ihrer jetzigen Anlage zu groß ist die Haltestelle der Stadtverkehrsgesellschaft dennoch – weil längst nicht mehr so viele Bahnen fahren wie noch vor 20 Jahren. Zwei von vier Gleisen sollen an der Endhaltestelle der Tram-Linien 1 und 4 demontiert werden. Außerdem plant die Stadtverkehrsgesellschaft SVF, dort eine Umsteigemöglichkeit vom Überlandbus in die Straßenbahn und umgekehrt zu schaffen.
Allerdings nicht in dem Umfang, wie ursprünglich erhofft. „Wir fangen klein an und wollen in die Sache hineinwachsen“, formuliert es Hartmut Huwe, SVF-Geschäftsbereichsleiter Technik. Um den Landkreis Oder-Spree vom Sinn der Idee zu überzeugen, solle mit dem Wechsel auf den Winterfahrplan 2011 damit begonnen werden, in verkehrsschwachen Zeiten „den Verkehr zu brechen“, wie die Fachleute sagen. Das heißt, dass Busse aus Müllrose in Markendorf enden und dort auch wieder abfahren.
Für die Fahrgäste werde sich am Komfort nichts ändern, versichert Hartmut Huwe. Großzügig gestaltete Wartehäuschen – für ganz Neugierige: ähnliche Modelle wie die an der Conergy-Haltestelle – sollen an ungemütlichen Tagen die Möglichkeit zum Unterstellen bieten. Allerdings gehen die Verkehrsexperten davon aus, dass es möglichst kurze Wartezeiten geben wird, so dass die Reisenden ihre Fahrt möglichst nahtlos fortsetzen können. Für die Wintermonate lasse sich das jedoch nicht immer sicherstellen, sagt Hartmut Huwe. „Die Straßenbahn wird pünktlich sein. Aber vom Bus, der ja erst über Land muss, wissen wir das nicht.“
Am 31. Mai soll der Bau fertiggestellt sein. Inzwischen sind die ersten Gleise demontiert. Den Zuschlag für das 1,5 Millionen Euro teure Projekt hat eine Bietergemeinschaft erhalten – bestehend aus dem Tiefbauunternehmen Buchwald und Balfour Beatty, ein Fahrleitungs- und Gleisbauspezialist. Beworben haben sich zwei Bieter; sechs weitere hatten die Ausschreibungsunterlagen angefordert. 1,1 Millionen Euro für das Vorhaben werden mit Fördermitteln des Bundes finanziert.
Fast die Hälfte des Geldes wird in den Gleisbau fließen, wie Hartmut Huwe vorrechnet. Ein Anteil von 30 Prozent ist für den Straßenbau veranschlagt; zwölf Prozent für die neue Fahrleitung. Die restlichen acht Prozent werden unter anderem für die Gestaltung der zur Haltestelle gehörenden Grünanlagen aufgewandt.
Die Einschränkungen für die Fahrgäste während der Bauzeit sollen so gering wie möglich sein, wie Hartmut Huwe sagt. „Höchstens wochenweise“ sei damit zu rechnen, dass die Haltestelle nicht von der Straßenbahn angefahren wird. Allenfalls das Ein- und Aussteigen könne in den nächsten Monaten gelegentlich etwas beschwerlicher sein, wirbt Hartmut Huwe um Verständnis. „Wir hoffen, dass wir pünktlich fertig werden.“ Wenn der Winter nicht gar zu streng ausfalle, sei das auch zu schaffen.