Lange Zeit hatte Ken Wegeners Straßenbahn genau zwei Räder. Und eine Klingel, was dem Original dann doch schon recht nahe kam. Wenn er damit unterwegs war, befestigte der Halbwüchsige ein Pappschild mit der Liniennummer am Lenker seines Kinderfahrrads - und sagte selbstverständlich unterwegs die Haltestellen an, weil seine Fahrgäste immer bestens informiert sein sollten.
Fährt Ken Wegener heute mit einer echten Straßenbahn echte Menschen durch Frankfurt, kommen die Haltestellendurchsagen vom Band. Die von den Bahnen ausgehende Faszination aber, die er schon als Junge verspürte, ist dem 24-Jährigen geblieben. Seit Ende April darf er nun im Frankfurter Liniendienst fahren.
Wenn sein Studienplan es zulässt. Denn auch wenn es seinerzeit zu vermuten gewesen wäre, Straßenbahnfahrer ist nie sein Berufswunsch gewesen. Dass er einmal beruflich mit Straßenbahnen zu tun haben wollte, steht dagegen seit Jahren fest. Nur interessierte den jungen Frankfurter eher eine Arbeit hinter den Kulissen. Neugier auf große Zusammenhänge ließ ihn sich nach dem Abitur am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium an der Technischen Universität Dresden einschreiben. "Mich interessieren vor allem die Betriebsabläufe", sagt er. Inzwischen hat er das Studium zum Verkehrsingenieur so gut wie beendet.
Dass er gern wiederkommen würde nach Frankfurt, sagt Ken Wegener. In der Oderstadt hat er sich mit dem Straßenbahnvirus infiziert und er ist bis heute stolz darauf, dass sich Frankfurt nach wie vor ein eigenes Netz leistet. Dass er es als angehender Verkehrsingenieur genau kennen will, weiß auch Michael Ebermann. "Das ist ein Straßenbahnverrückter", sagt der Geschäftsführer der Stadtverkehrsbetriebe (SVF) über Ken Wegener.
Für den ist es selbstverständlich, regelmäßig auf dem Betriebshof der SVF vorbeizuschauen. "Manchmal denke ich schon, ich störe da", sagt Ken Wegener und grient, als könne er sich das nun wieder doch nicht vorstellen. Es hilft sowieso alles nichts: Einmal Straßenbahnfan, immer Straßenbahnfan.
Dass sein künftiger Beruf für ihn gleich noch Hobby ist, zeigt sich am ehesten an seiner nun gut zehn Jahre währenden Mitarbeit im Frankfurter Verein Museumswerkstatt für Technik und Verkehr. Jeden zweiten Sonnabend im Monat ist er dabei, wenn dort an historischen Straßenbahnen gearbeitet wird - und ist selbstverständlich bei Sonderfahrten dieser Bahnen durch Frankfurt mit von der Partie.
Meistens ist der 24-Jährige mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, auch wenn er den Führerschein der Klasse B hat - schon, weil dieser Voraussetzung für den Erwerb des Straßenbahnführerscheins ist. Er komme ganz gut ohne eigenes Auto zurecht, erzählt er und findet ohnehin, dass der öffentliche Nahverkehr in Zeiten knapper Rohstoffe ein Modell der Zukunft ist. Auch grenzüberschreitend wie in seiner Heimatstadt, auch wenn Ken Wegener einschränkend sagt: "Eine Straßenbahn über die Oder wäre mir lieber gewesen. Aus wirtschaftlichen und aus historischen Gründen."
Straßenbahnfahrer und Student: Inzwischen steuert Ken Wegener Bahnen im Liniendienst durch Frankfurt. Die Wagennummern sämtlicher Bahnen kennt er sowieso.Foto: René Matschkowiak
Straßenbahn-Fan Ken Wegener wird Verkehrsingenieur und will zurück nach Frankfurt