Um es vorwegzunehmen: Die sieben Mädchen und Jungen der U 10 gewannen gleich bei ihrer Premiere in Vehlefanz (Oberhavel) den Auftakt zu diesem Pokalwettbewerb im Land Brandenburg. Doch der Erfolg konnte die Skepsis bei Erwachsenen und Kindern nicht beseitigen. Vor den sechs Teams der SG Vehlefanz, des TSV Falkensee und des SC Frankfurt standen die Einzelwettbewerbe Tennisring-Weitwurf, Weitsprung-Staffel, 2x40-m-Sprint und Hindernis-Pendelstaffel. Gemessen wird bis auf den Sprint nicht in Meter und Sekunden. Stattdessen werden Punkte vergeben, wenn die Kinder z. B. bei der Weitsprung-Staffel in festgelegte Zonen springen und innerhalb von drei Minuten am häufigsten wechseln müssen. Das Team Frankfurter Küken gewann jeden Teilbereich und damit am Ende mit der Ideal-platzziffer Vier. "Die Kinder hatten wirklich großen Spaß an den Wettbewerben. Keiner merkte, ob er vielleicht der Schlechteste in der Mannschaft ist", hat Übungsleiter René Bertel beobachtet. Der große Gruppenzusammenhalt sei "wirklich gut". Seine größte Kritik teilt er sich mit mitreisenden Eltern wie Marco Benjamin: Die Kinder traten mit einer Ausnahme nur gegen ihre eigenen Vereinskameraden an, ein Wettstreit mit den anderen Teams fand nicht statt. "Das haben die Kinder vermisst", so Bertel. Bei den traditionellen Wettbewerben sei dies besser geregelt. Deshalb können sich die Väter Sport treibender Geschwister die Kinderleichtathletik zwar gut für die Jüngeren vorstellen, die an Bewegung und Sport herangeführt werden sollen. Aber spätestens für die Zehnjährigen sei die neue Wettbewerbsform nicht geeignet "Die meisten wollen konkrete Ergebnisse und auch die eigene Leistung erkennen", betont Bertel.
Wie sich die Kinderleichtathletik weiterentwickelt, wird sich zeigen. Sie stellt zumindest die notwendigen Grundlagen, die Vielseitigkeit dieser Sportart sicher. Die meisten Wettbewerbe fanden bisher in den alten Bundesländern statt. Dort ist der Zuspruch so groß, dass der DLV erwägt, das traditionelle Wettkampfsystem für Kinder generell auslaufen zu lassen. In Brandenburg bleiben vor allem erfahrene Trainer skeptisch. Frankfurter wie Horst Fröhlich und Hartmut Schulze sind sich einig: Ein guter Trainer baut seit jeher spielerische Elemente zur Bereicherung des Trainings ein. Und wie im Fußball oder im Schwimmen würden auch viele Leichtathleten schon mit neun Jahren leistungsorientiert ihrer Sportart nachgehen wollen. Nicht zuletzt beginne bereits in der U 12 die Orientierung auf die Sportschule.
In Brandenburg steckt die Kinderleichtathletik noch in der Anfangsphase. Erst für drei von vier geplanten Wettbewerben im Pokal haben sich Veranstalter gefunden. Kleine Vereine können erst gar nicht teilnehmen, weil sie oft die Mindestanzahl von sechs Kindern je Team nicht zusammenbekommen. Auch die Frankfurter werden erst noch entscheiden, ob sie weitermachen und selbst einen Wettbewerb ausrichten.
Das Team der Frankfurter Küken: Jennifer Benjamin, Aaron Bertel, Aurelia Bickenbach, Frank Christoph, Jean-Paul Gawlitzka, Wenzel König, Lilly Thiessen