Am Sonntag sind insgesamt 1270 Wahlberechtigte im Ortsteil Booßen an die Wahlurne gerufen, um zum zweiten Mal in diesem Jahr einen neuen Ortsbeirat zu wählen. Die zur Kommunalwahl am 26. Mai gewählte  Vertretung hatte Oberbürgermeister René Wilke zum 27. Juni aufgelöst.
Das war einen Tag nach dem dritten Mandatsverzicht eines Mitglieds des fünfköpfigen Ortsbeirates: Die Vorsitzende des Booßener Freizeitsportvereins Regina Fietze hatte, wie vor ihr schon Ina Koschitzke und Bärbel Teich, die Annahme ihres Mandats verweigert. Die Nachrücker auf der Liste der Wählergruppe Booßen, Jan Utke und Uwe Schrape, nahmen die Wahl nicht an. Die fünf Gewählten hatten alle auf der Liste der Wählergruppe Booßen kandidiert.
Persönliche Differenzen
Während Ina Koschitzke gesundheitliche Gründe für ihren Verzicht nannte, spielten bei anderen persönliche Differenzen eine Rolle. Letztlich war die nötige Mehrheit der Mitglieder nicht mehr gegeben, der OB musste den Ortsbeirat auflösen. Laut Wahlgesetz muss binnen fünf Monaten ein neuer gewählt werden.
Bis zum Bewerbungsschluss am 22. August sind in der Kreiswahlbehörde sechs Wahlvorschläge eingegangen: Die Neue Wählergruppe Booßen ist mit sechs Kandidaten am Start. Neben drei Booßenern, die schon im Mai angetreten waren – Jan Utke, Regina Fietze und Bärbel Teich – gibt es drei neue Bewerberinnen: die 54-jährige Erzieherin Marion Krüger, die 40-jährige Filialleiterin Sandra Wiese aus dem Vorwerk Peterhof und die 26-jährige Erzieherin und Feuerwehrfrau Luisa Kobert. Die Neuen bekamen auf der Gründungsversammlung  der neuen Wählergruppe im August die größte Zustimmung.
Der am 20. Juni gewählte neue Ortsvorsteher Norbert Reimann, der die Geschäfte im Ortsteil nur eine Woche lang geführt hat, tritt diesmal als Einzelbewerber zur Wahl an. Er wolle an die gute Arbeit im alten Ortsbeirat anknüpfen, erklärte Reimann am Mittwochabend im Versammlungsraum der Booßener Feuerwehr. Dorthin hatten die insgesamt fünf Einzelbewerber, die sich am Sonntag zur Wahl stellen, zu ihrer zweiten Vorstellungsrunde eingeladen. Wie zur ersten war auch diesmal das Interesse groß. Der Zwist im Dorf nach der Kommunalwahl hat neue Bewerber motiviert.
Neben Reimann (63, Angestellter) tritt auch sein einstiger Mitstreiter in der alten Wählergruppe und in dem im Mai gewählten Ortsbeirat, Ronny Kühl (44, Angestellter) als Einzelbewerber erneut an.
Verwaltung stellt Wahlvorstand
Mit dem Ziel, "die Gemeinschaft der Booßener wieder zu stärken", tritt Ingo Trappe (53, Mitarbeiter der Agentur für Arbeit) erstmals zur Wahl an. Der 26-jährige Paul Büttner, ebenfalls Mitarbeiter der Arbeitsagentur, sieht sich als potenziellen Mediator im Ortsbeirat. "Ich gehöre zu keiner Streit-Fraktion", sagte er am Mittwoch. Als sachkundiger Einwohner im Wirtschafts- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung will er die Verbindung zur Stadtpolitik stärken. Der Dachdecker- und Zimmermeister Mario Krüger (47) will sich vor allem bei Bauvorhaben im Dorf einbringen. Der einzige Einzelbewerber bei der Wahl im Mai, Lars Bühmann (CDU) tritt nicht erneut an.
Der achtköpfige Wahlvorstand wird diesmal übrigens aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung bestehen, von denen keiner Booßener ist. "Sicherheitshalber", sagt Martina Löhrius von der Wahlbehörde.

Zur Wahl des Booßener Ortsbeirates


Weil Booßen mehr als 700 Einwohner hat, gehören dem Ortsbeirat laut Wahlgesetz fünf Mitglieder an. Der Ortsvorsteher wird aus ihrer Mitte gewählt.

Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke hat den 27. Oktober als Wahltermin festgelegt. Das Wahllokal befindet sich im Speiseraum der Grundschule und ist am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Jeder Wahlberechtigte hat drei Stimmen, die er einem Bewerber geben oder auf mehrere verteilen kann.

Die Auszählung der Stimmen am Sonntag, ab 18 Uhr, ist öffentlich. – Ebenso wie die Sitzung des Wahlausschusses am 29. Oktober, ab 16.30 Uhr im Stadthaus, Raum 3107.