Zu den Bewerbern gehören neben Amtsinhaber Martin Wilke (parteilos) die Dezernenten Markus Derling (CDU) und Jens-Marcel Ullrich (SPD) sowie der Landtagsabgeordnete René Wilke (Linke/Grüne) und Wilko Möller (AfD). Hinzu kommen die Einzelkandidaten Sandro Jahn und Jochen Tiffe. Die Chancen, dass der Wahlausschuss die zwei letztgenannten Vorschläge zulässt, tendieren jedoch gegen Null. "Beide haben die benötigten 92 Unterstützerunterschriften nicht zusammenbekommen", informierte Martina Löhrius, die stellvertretende Kreiswahlleiterin. Der Ausschuss tagt am 4. Januar im Stadthaus.
Martin Wilke hatte bereits im Juni angekündigt, für eine weitere Amtszeit antreten zu wollen. 2010 war der damalige Geschäftsführer des Investorcenters von der SPD vorgeschlagen worden. Die Wahl entschied Wilke mit 59,5 Prozent gegen Stefan Ludwig (Linke) - heute Justizminister - für sich.
Diesmal fehlt dem 60-Jährigen allerdings die Unterstützung einer großen Fraktion im Stadtparlament. Sowohl CDU als auch SPD und Linke schicken eigene Kandidaten ins Rennen.
Für die Sozialdemokraten bewirbt sich der Unterbezirksvorsitzende Jens-Marcel Ullrich. Der 50-Jährige arbeitete lange Jahre als Geschäftsführer beim Frankfurter Awo-Kreisverband, ehe er 2010 städtischer Beigeordneter für Soziales und Bildung wurde.
Kandidat der Union ist Markus Derling. Er kam 2002 aus Cottbus nach Frankfurt und war in der Verwaltung zunächst als Kämmerer tätig. Seit 2010 ist Derling Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen und Kultur. Mit Wilke, Ullrich und Derling strebt die gesamte Verwaltungsspitze das höchste Amt im Rathaus an - ein wohl landesweites Novum.
Vierter chancenreicher Kandidat ist René Wilke. Der Linken-Landtagsabgeordnete aus Frankfurt wird sowohl von seiner eigenen Partei als auch von den Bündnisgrünen unterstützt. Falls der Kaufmann und Berufspolitiker gewinnt, wäre er mit 33 Jahren der jüngste Oberbürgermeister, den Frankfurt je hatte.
Als letzte Partei präsentierte die AfD Parteichef Wilko Möller als Kandidat. Der 51-Jährige lebt seit 1992 in Frankfurt, arbeitet als Bundespolizist und gründete 2013 den Stadtverband der Alternative für Deutschland mit.
Die FDP hatte lange nach einer Kandidatin gesucht, jedoch Absagen erhalten. Dass die Liberalen einen Bewerber unterstützen, sei unwahrscheinlich, meint der Parteivorsitzende Wolfgang Mücke. Ihm ist wichtig, dass die Frankfurter überhaupt zur Wahl gehen, weshalb die Liberalen am 18. Januar, 18 Uhr, im Bolfrashaus zu einem Wahlforum mit allen OB-Kandidaten einladen. Ähnlich handhaben es die drei Stadtverordneten der Liberal Konservativen Reformer (LKR), die sich in Fraktionssitzungen die Positionen aller Bewerber einzeln anhören wollen.
Der Politsatiriker und frühere PARTEI-Politiker Sandro Jahn gestand auf seiner Facebook-Seite bereits ein, dass seine Bewerbung wegen der fehlenden Unterstützerunterschriften "keine Chance mehr hat". Ohnehin komme der OB-Posten für ihn "noch zu früh". Ein Kuriosum im negativen Sinn stellt Jochen Tiffe dar. Der 46-Jährige kommt aus Köln und gibt als Berufsbezeichnung Sportreporter an. 2014 kandidierte er für die Bezirksvertretung Köln-Nippes - und zwar für die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Bürgerbewegung Pro Köln. Auf Youtube und anderen Kanälen sind unter seinem Namen verschwörungstheoretische Beiträge zu finden. Über seine Motivation, ausgerechnet in Frankfurt anzutreten, ist nichts bekannt.
Oberbürgermeister wird, wer mindestens die Hälfte aller Stimmen auf sich vereinigen kann. Gelingt dies im ersten Wahlgang nicht, gibt es eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern, die am besten abgeschnitten haben - Termin dafür ist der 18. März. Laut Kommunalwahlgesetz muss das künftige Stadtoberhaupt die Stimmen von mindestens 15 Prozent aller Wahlberechtigten auf sich vereinigen. Die Zahl der Wahlberechtigten steht noch nicht fest. Bei der Bundestagswahl waren es 45 917. Bei OB-Wahlen dürfen jedoch auch 16- und 17-Jährige mitwählen, ebenso EU-Bürger mit Hauptwohnsitz in Frankfurt. Wird die Mindestwahlbeteiligung verfehlt, wählen die Stadtverordneten den OB.

Kommentar

Es ist paradox: Direkte Bürgermeisterwahlen sorgen regelmäßig für gähnende Leere in Brandenburger Wahlkabinen. Frankfurt macht da keine Ausnahme. Beim (Erstrunden)sieg von Martin Wilke 2010 lag die Wahlbeteiligung bei 39,5 Prozent. Zum Vergleich: An der Bundestagswahl im September beteiligten sich immerhin zwei von drei Frankfurtern.Dabei hat ein Oberbürgermeister viel direkteren Einfluss auf soziale Lebensbedingungen und wirtschaftliche Entwicklungen vor Ort als ein Bundestagsabgeordneter in Berlin. Und das acht Jahre lang. Das sollte sich bewusst machen, wer demnächst von einem OB-Kandidaten angesprochen wird. Statt reflexartig die Straßenseite zu wechseln, wäre dies eine gute Gelegenheit, einfach mal freundlich drauf los zu meckern, Fragen loszuwerden, sich einzubringen.Fünf aussichtsreiche Kandidaten dürften am 4. März auf dem Wahlzettel stehen. Ein kontroverser, demokratischer Wettstreit um die besten politischen Ideen für die Stadt ist zu erwarten. Für die Wahlbeteiligung - und damit die Legitimation des künftigen OB - kann das nur gut sein.Thomas Gutke

Wählen gehen? Und OB!

Bis Donnerstag, 12 Uhr, war Zeit, sich für die Oberbürgermeisterwahlen am 4. März zu bewerben.

Bis Donnerstag, 12 Uhr, war Zeit, sich für die Oberbürgermeisterwahlen am 4. März zu bewerben. Sieben Wahlvorschläge wurden fristgerecht eingereicht.