Schon seit der Weimarer Republik werben Politiker mit Plakaten für sich, sagt Dorothea Horst. Die Professionalisierung dieser Form der Wahlwerbung durch sogenannte Spindoktoren, die bei Motivwahl, Inszenierung und Farbgebung beraten, habe schon in den 50er Jahren eingesetzt. Dorothea Horst interessiert, wie Parteien mit Hilfe von Bild und Schrift auf Plakaten Bedeutung herstellen. Und zwar aus Sicht eines Betrachtenden. "Aus der Beschreibung dessen, was man sieht, kann man auf die Intention schließen", sagt sie. Auch wo ein Plakat hängt, sage etwas über die Vorstellung einer Partei von ihrem Klientel. "Wenn die Volksparteien kaum noch in kleinen Dörfern in Brandenburg plakatieren, dann sendet das auch ein bestimmtes Signal an Wähler", so Horst. Auch die Anzahl von Plakaten bestimmter Parteien suggeriere ein Kräfteverhältnis.
Die MOZ hat Dorothea Horst gebeten, Wahlplakate verschiedener Parteien zu analysieren. Mit Rückschlüssen auf Personen hielt sich die Forscherin dabei zurück. "Man weiß nicht, wer entscheidet, wie sich ein Kandidat präsentiert", sagt sie.