In Slubice zeigt man sich irritiert über ein AfD-Plakat "Holt Euch Euer Land zurück!" auf der Stadtbrücke.
Bis raus auf die Stadtbrücke hängen die Plakate der AfD zur Landtagswahl. "Hol Dir dein Land zurück!" liest man beim Gang nach Słubice auf einem Exemplar, das am Laternenpfosten befestigt ist, dahinter öffnet sich der weite Blick aufs polnische Oderufer.
Lange hat es nicht gedauert bis es östlich der Oder – in Erinnerung an alte Restitutionsforderungen aus konservativen deutschen Vertriebenenmilieus – jemandem übel aufstieß und die Frage aufkam, was man als Słubicer von der AfD erwarten kann. "Beunruhigend, wie sichtbar die Unterstützung für nationalistische Kräfte in Frankfurt ist", kommentierte Piotr Karp, Administrator der gut 3400 Mitglieder zählenden Facebook-Gruppe "Nowe Słubice". Mehr als 75 Mal wurde der Beitrag kommentiert. Die Diskussion nahm verschiedene Richtungen, unter anderem, ob der Nationalismus der AfD nun mit dem der polnischen Regierungspartei PiS vergleichbar sei oder nicht.
"Bei PiS ist von einer Revision der Grenzen nicht die Rede. So ein Plakat an diesem Ort aufzuhängen ist ziemlich zweideutig", fand Karp. Nun bekennt sich Karp zum rechten politischen Spektrum, wo traditionell deutschskeptisch gedacht wird.
Auch die Słubicer Gratiszeitung "Pogranicze Lubuskie", die Karps politischem Umfeld eher fern steht, zeigt sich irritiert. Angesichts des historischen Kontexts könne so ein Plakat an diesem Ort negativ empfunden werden von Słubicern und Bewohnern im polnischen Grenzland, liest man in einem Post auf der Facebookseite. Wie soll man das verstehen, erkundigt sich Pogranicze-Redakteurin Natalia Zwirek bei der Autorin dieser Zeilen.
Frankfurts AfD-Chef Wilko Möller dementiert, es habe einen Hintergedanken beim Aufhängen des Plakats auf der Brücke gegeben. Besitzansprüche in Polen im Zusammenhang mit den Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg – das Thema sei auch für die AfD längst abgeschlossen. "Unser Land hat ganz andere Probleme", sagt Möller am Telefon. Unsensibel findet er einen solchen Slogan an der Grenze nach Polen nicht. "Auf diese Sensibilität muss man erstmal kommen", so Möller.