Dirk Schacher ist ein Mann mit klaren Prinzipien. Wenn der 45-Jährige das Training beim Frankfurter Ruder-Club leitet, spürt man den Respekt der Kinder und Jugendlichen. Dennoch herrscht stets gute Stimmung unter den Aktiven. "Spaß darf beim Training nicht zu kurz kommen. Ich finde wichtig, dass man als Trainer eine Mischung aus Respektsperson und Ansprechpartner ist", sagt Schacher.
Dazu gehört für ihn auch, dass ihn die 13- bis 18-Jährigen siezen. "Ein gewisser Abstand muss sein. Wenn man den Kindern ihre Grenzen aufzeigt, dann ergibt sich alles andere von selbst." Manche Eltern würden ihm berichten, wie rüpelhaft sich ihr Nachwuchs zu Hause benimmt. "Hier bei uns sind sie oftmals das Gegenteil. Wir achten auf Regeln - davon haben beide Seiten etwas. Es ist schön zu sehen, wie schnell Kinder etwas lernen können, wenn es ihnen Spaß macht. Viele der Heranwachsenden haben schon viele andere Sportarten ausprobiert, bleiben aber dann beim Rudern", erzählt er nicht ohne Stolz.
Bis zu viermal in der Woche leitet Schacher das jeweils bis zu dreistündige Training mit 16 bis 18 Kindern. Während diese in den Ruderbooten schwitzen, fährt ihr Coach im Motorboot nebenher und gibt per Lautsprecher Anweisungen. "Leider schaffe ich es zeitlich nicht mehr, noch selber zu rudern", bedauert er.
Dem Vorurteil, Rudern sei schlecht für den Rücken, entgegnet er: "Das stimmt nicht. Im Gegenteil - Rudern gehört zu den gesündesten Sportarten. Es ist gelenkschonend und fast alle Muskelgruppen werden beansprucht. Für Kinder ist ein Einstieg mit zehn Jahren empfehlenswert. Nach oben gibt es kaum eine Grenze, in unserem Verein gibt es auch 80-Jährige", berichtet Dirk Schacher.
Er selbst ist bereits seit 1979 mit dem Rudern eng verbunden. Als Zehnjähriger kam er über die älteren Geschwister zu der Sportart. Und das an derselben Stelle, wo auch heute noch der Steg des Frankfurter Ruder-Clubs von 1882 liegt. Am alten Oderarm, malerisch zwischen Ziegenwerder und Fischerstraße gelegen, befindet sich das Domizil des Vereins. "Hier gibt es fast keine Strömung, was besonders für Anfänger gut geeignet ist. Früher gab es ein Holzhaus für die Boote, aber das ist irgendwann abgebrannt", erzählt Schacher. Heute steht ein großes Vereinsheim mit Fitnessgeräten und einem Übungsbecken an der Lehmgasse.
Bis zu seiner Armeezeit war Dirk Schacher in der damaligen BSG Halbleiterwerk Frankfurt Sektion Rudern aktiv und gewann in dieser Zeit bei den ältesten Junioren die DDR-Meisterschaft im Achter sowie einen 3. Platz im Vierer. Nach der Wende rettete er gemeinsam mit anderen Mitstreitern die Nachwuchsabteilung vor der Auflösung und ist seitdem als ehrenamtlicher Trainer tätig. "Gelernt habe ich das nie, sondern durch Zuschauen von anderen abgeschaut." Seit Ende der 1990er-Jahre organisiert er außerdem den Frankfurter Ruder-Marathon, der am 20. September seine 29. Auflage feiert.
15 bis 20 Stunden verbringt Schacher jede Woche mit dem Rudertraining. Dazu kommen regelmäßig Wettkämpfe am Wochenende. Um dies mit seiner Arbeit als Polier zu vereinbaren, klingelt bei ihm werktags um 4.10 Uhr der Wecker. Eine Stunde später ist er auf Arbeit, um am späten Nachmittag pünktlich die Kinder auf der Oder anzuleiten.
Abends sitzt er dann noch häufig am Computer, beispielsweise um Turnieranmeldungen vorzunehmen oder Wettkampfberichte für die MOZ zu verfassen. Die wenige freie Zeit verbringt er am liebsten mit seiner Frau Patricia, bei der er aber durchaus auf Verständnis hoffen kann: Sie ist ebenfalls im Ruder-Club aktiv.
Kennengelernt haben sich die beiden beim Rudern. "Das ist ziemlich kurios. Wir haben jahrelang an den selben Regatten teilgenommen, uns aber aus welchem Grund auch immer nie gesehen. Erst 1988 beim Fasching des Rüdersdorfer Rudervereins hat es gefunkt", erzählt er. Auch die beiden Söhne sind eng mit dem Rudersport verbunden.
In Frankfurt fühlt sich Dirk Schacher wohl und möchte hier alt werden. "Es gibt viele schöne Ecken und vor allem viel Natur." Am liebsten geht er auf der Oderpromenade und auf dem Ziegenwerder joggen oder spazieren. "Mich zieht es eben einfach immer wieder ans Wasser" , sagt er mit einem Lächeln.