Die Website der Stadt präsentiert alle Ämter und Behörden kompakt. Eine vor Jahresfrist postulierte Richtlinie im Umgang mit dem Bürger sucht man auch online vergeblich. Noch immer sind die Kommunikationsstrukturen der Verwaltung zum Bürger schwach ausgeprägt.
Frankfurts Internetauftritt ist schnörkellos; nicht schön, aber schnell; nicht modern, aber ausreichend. Das ist im Großen und Ganzen akzeptabel – z.B. für schnelle Ladezeiten und Suchergebnisse mit 6000er DSL-Zugang. Die Haupt- und Seitennavigation wird nicht durch Bildergalerien, Videos und Werbefenster blockiert. Für „bunte Guckerchen“ gibt es an verschiedenen Stellen Bilder und Videos zu sehen. Die sollten künftig seitens des Anbieters konzentriert unter einem Link, geordnet nach Themen und Terminen, aufrufbar sein.
Als Bürger interessieren zunächst die Bürgerfreundlichkeit und der Servicefaktor. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Webauftritt zufriedenstellend. Die Website bedient nahezu alle Belange der Einwohner. Doch es fehlt die Möglichkeit der Reklamation, der Hinweise, der Beschwerde. Die PDF-Meinungskarte unter dem Link „Ideen- und Qualitätsmanagement“ auf der Startseite ist halbherzig und für ein Onlineangebot indiskutabel; kann man online nicht ausfüllen. Einem verantwortlichen und verantwortungsvollen Website-Anbieter Stadtverwaltung ist hiermit ausdrücklich empfohlen, den kostenlosen „Maerker“ in die Website einzubauen. Der Bürgerservice „Maerker“ ist eine Plattform zur elektronischen Mitteilung von Bür­­ger­­­an­liegen und deren Verfolgung in den zuständigen Kommunen in Brandenburg (siehe z.B. maerker.brandenburg.de). Er steht den Kommu­­nen auf ihren Internet­portalen zur kostenlosen Nutzung zur Ver­fü­gung.
Leider ist auch die hervorragende Funktion „Zuständigkeitsfinder (BB)“ auf der Frankfurter Website keine eigene Dienstleistung bzw. Erfindung. Unter dem Button „Bürgerservice“ der Hauptnavigation von www.frankfurt-oder.de erscheint in der linken Seitennavigation unter anderem der „Zuständigkeitsfinder (BB)“. Dieser Service vom brandenburgischen Landesportal mit punktgenauer Trefferlandung in den Kommunen überzeugt zu 100 Prozent.
Insgesamt ist der Frankfurter „Bürgerservice“ zweckdienlich und umfänglich aufgebaut. Das Telefonverzeichnis und die Dezernats- und Ämterstruktur helfen, sich geduldig zum verantwortlichen Ressort und Personal Schritt für Schritt durchzuklicken. Doch so löblich die unkomplizierte Erreichbarkeit des Telefonverzeichnisses mit Ansprechpartner – leider nur mit Geschlecht und Nachname, Zimmer-Nr. und Durchwahl – im jeweiligen Amt ist, für schnelle und moderne Kommunikation gehört es dazu, hier dazu auch die jeweilige E-Mailadresse und die Formulare und Dokumente zuzuordnen, die der jeweilige Mitarbeiter in seinem Bereich bearbeitet/verantwortet. Da diese Formulare sowieso im Downloadbereich/in der Datenbank vorliegen, ist die Zuordnung ins Telefonverzeichnis kein Problem.
Problematisch im gesamten Webauftritt ist, dass es keine integrierten ZURÜCK-Buttons auf den aufgerufenen Seiten gibt. Links und Dokumente öffnen sich mal als neuer Tab bzw. neues Fenster oder Popup, viel öfter aber eben nicht. Nirgendwo gibt es eine Zurücktaste innerhalb der neu geöffneten Seite. Stets muss man über den Browser „zurück“gehen. Dies verhindert die bequeme, Informationen sammelnde Weitersuche, das Stehenlassen von interessanten Dokumenten und Links. Es scheint bei „Messetermine“ so, dass man sich nicht mehr auf der Stadtwebsite befindet, sondern extern auf der MuV-Seite. Dem ist aber nicht so. Und ’raus bist du, wenn man die Seite als „sichtbare und vermeintlich externe“ schließt. Und so passiert es allzu oft, dass geöffnete PDF-Dokumente oder Seiten geschlossen werden und somit die Internetseite www.frankfurt-oder.de unabsichtlich verlässt und neuerlich starten muss. Dabei verlieren die meisten User spätestens beim zweiten Mal die Lust. Nebenbei: die gegenwärtige Website ist nirgendwo behindertenfreundlich.
An vielen Stellen mangelt es an Aktualität. Allenthalben stößt man auf vergangene News/Termine und verflossene Ansprechpartner (Messe: Frau Mende; Pressemappe: Dr. Daniel Trepsdorf). Auf der Startseite könnte der Bereich Zensus 2011 längst gelöscht sein. Natürlich interessieren den User vielleicht auch Fotos und Informationen aus 2009 und 2010. Doch der Suchende fragt sich: Ist 2011 nichts weiter passiert? (Beispiel: Foxy Night 2 vom 31.07.2010 oder https://www.frankfurt-oder.de/DE/Stadt/UnsereStadt/Seiten/Videosaktuell.aspx. Städtische Höhepunkte aus 2011 finden auf der Website der Stadt Frankfurt dagegen nicht statt.
Dann zu einer unverzeihlichen Fehlfunktion auf der Startseite: Dortkönnen sich Unternehmer registrieren, um sich dann im städtischen, kaum gefüllten Branchenführer einzutragen. Nach 48 Stunden war der angekündigte Registrierungs- und Bestätigungslink noch immer nicht in meinem E-Mailfach angekommen. Diese tote Funktion sollte wieder aktiviert werden. Überflüssig ist die Onlinehilfe der „Unternehmertaste“. Solche irreführenden Hilfen einfach abschalten.
Womit wir beim Komfort und der Präsentation der Stadt für auswärtige Besucher sind, egal ob Tourist, Student oder Investor. Hier müssen sich die Verantwortlichen zu einer entschieden attraktiveren, deutlich besser geordneten Ansprache entschließen. Derzeit muss der Online-Gast zu stark hin- und herhüpfen. Nie bleibt beim Weiterklicken ein roter Faden erkennbar und nachvollziehbar, kann man sich Dinge zusammen stellen. So wird der Fremde beim besten Willen nicht bedient. Ein Tipp: auf der Startseite einen Button für Touristen, einen für Zuzugswillige und einen für Wirtschaftsleute platzieren. Darunter dann gebündelt die jeweiligen Angebote, die auf der momentanen Website durchaus versprenkelt vorhanden sind, neu und optisch ansprechend ordnen.?Fazit: Eine offizielle Stadtwebsite muss natürlich das gesamte breite Spektrum von kommunalen Themen und der Verwaltung abdecken. Die riesigen Datenmengen sollten bei einer neuen Website leichter und geordneter zugänglich sein. Die Technologien dafür sind längst am Markt vorhanden.
Schnelltest
Benutzerfreundlichkeit: **
Mit Einschränkungen – oft zu umständlich, es wird nicht konsequent mit Verlinkungen und Verweisen umgegangen; Die Verwaltungsstrukturen sollten verstärkt auf die differenzierten Zielgruppen (Bürger, Studenten, Unternehmen, Investoren, Touristen etc.) abstellen.
Nutzen: ****
Die Website basiert nicht nur auf Präsentation und reiner Fakten-Daten-Information, sondern bietet mehr und mehr Dokumente, Formulare und auch die Ansprechpartner online. Das erspart Wege, Zeit und Mühe. Das Onlineausfüllen von Formularen sollte künftig möglich sein, nicht nur das Herunterladen.
Erreichbarkeit: *****
Der Internetauftritt von Frankfurt läuft sehr stabil; keine Abstürze, wenig Error-Verlinkungen.
Aktualität: **
Sehr unterschiedlich in den einzelnen Bereichen; nicht konsequent gepflegt und aktuell. Leider auch ein nicht gepflegter Veranstaltungskalender, für den die verlinkte „Freizeit“ kein Ersatz ist – da diese keine Terminvorschau auf die kommenden Monate zulässt.
Mehrsprachigkeit: *
Der Kategorie „Absurdistan“ zuzuordnen. Es existieren die Buttons „English“ und „Polski“. Polnisch ist auf der ersten Ebene der Hauptseiten verfügbar – dann geht es straff deutsch weiter. Aber nicht ein Inhaltsbaustein ist in englischer Sprache. Dann lieber auf den „English-Button“ verzichten.