Sie hatten eine "erste länderübergreifende Demonstration" angekündigt, die Veranstalter der asylfeindlichen Demonstration an der Stadtbrücke. Am Ende blieben die knapp 100 deutschen Rechtsextremisten, die aus ganz Brandenburg und auch aus Sachsen zusammengetrommelt worden waren - unter ihnen mehrere sogenannte "Reichsbürger" -, aber dann mit ihren dumpfen Hassparolen doch unter sich.
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Die 300 Demonstranten auf der anderen Seite aber, die auch diesmal wieder Flagge zeigten für ein weltoffenes Frankfurt - die bekamen stimmgewaltige Unterstützung aus Slubice. Vizebürgermeister Roman Sieminski versicherte ihnen: "Wir stehen zusammen mit euch, um euch zu unterstützen in eurem Kampf für die Visionen, die ihr und wir von Europa haben." Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Frankfurts und Slubices sei ein "hervorragendes Beispiel dafür, wie Europa funktioniert", sagte er und betonte die Idee eines offenen Europa ohne Grenzen. Unter Beifall rief Roman Sieminski den Versammelten zu: "Liebe Einwohner: Zusammen werden wir auf jeden Fall gewinnen!"
Zuvor hatte Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke betont, Frankfurt und Slubice seien der falsche Ort für Asylfeinde von beiden Seiten der Oder, sich zu treffen. "Redet mit euren Eltern, Großeltern und - falls möglich - mit euren Urgroßeltern und fragt sie, was Rassismus im 20. Jahrhundert angerichtet hat und welche Folgen das hatte", rief er den Ausländerfeinden zu. Es sei wichtig, immer wieder Flagge zu zeigen. "Wir haben heute wieder klar gezeigt, wofür unsere beiden Städte stehen."
Viadrina-Präsident Alexander Wöll appellierte: "Es ist sehr, sehr wichtig, dass Sie sich dafür einsetzen, dass Frankfurt weltoffen bleibt." Krzysztof Wojciechowski, Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum, warnte: "Es geht heute nicht nur um ein paar Bekloppte, es geht um etwas Ernsthaftes." In den vergangenen 25 Jahren sei es Deutschen und Polen gelungen, Vorurteile zu überwinden, eine offene Gesellschaft aufzubauen und nach jahrhundertelanger Feindschaft auf Augenhöhe zu agieren und Grenzen zu überwinden. "Das darf jetzt nicht gefährdet werden."
Für das Bündnis "Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)" hatte Sprecher Jan Augustyniak zu Beginn erklärt, den menschenverachtenden Forderungen der Neonazis und Rassisten müssten humanistische und demokratische Werte entgegengesetzt werden - "eine Gesellschaft, in der alle Menschen friedlich und sicher leben können, ohne Angst vor sozialer Kälte, Hass und Gewalt haben zu müssen".
Wegen des asylfeindlichen Aufmarsches und der zwei Gegenveranstaltungen war die Stadtbrücke bis zum Abend für Fahrzeuge gesperrt. Der Nahverkehr wurde am Nachmittag bis 17.25 Uhr unterbrochen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Sie sprach Platzverweise aus und setzte drei Personen zur Feststellung derer Identität kurzzeitig fest. Ein Demonstrant bekam nach einem Flaschenwurf, bei dem niemand verletzt wurde, eine Anzeige.
300 Menschen zeigen Flagge gegen Rassismus und Ausländerhass / Appell des Slubicer Vizebürgermeisters