„Wir haben am Vorabend noch
geulkt, dass wir am Sonntag mit vier Goldmedaillen rausgehen müssten“, schmunzelt Kristin Büssow noch immer über ihren Scherz, der am Ende des letzten Wettkampftages tatsächlich Wirklichkeit wurde. Etwas, was bisher nur Japaner geschafft haben, war plötzlich auch für die deutschen Athleten Realität.
Die 19-jährige Kristin Büssow ist eigentlich noch im Juniorenbereich startberechtigt und hat bei den Europameisterschaften der unter 20-Jährigen im September bereits bewiesen, wozu sie fähig ist. Aus dem bulgarischen Samokov kam sie mit einer Bronzemedaille zurück in die Oderstadt.
Die Nominierung zur EM der Athleten bis 23 Jahre kam für die Schwergewichtlerin ziemlich überraschend. „Ich wollte es meinem Trainer Benny Biemüller kaum glauben, merkte erst mit der E-Mail
vom Deutschen Judo-Bund, dass es Ernst ist“, hat sie sich dann doch sehr gefreut. „Es war ein Bonus, dass ich in der höheren Altersklasse mitfahren durfte. Ich habe mir gesagt, du fährst dort einfach hin und hast Spaß am Kämpfen“, gibt Kristin Büssow Einblick in ihre Gedanken vor Sarajevo.
Die Gegnerinnen waren dann alles andere, als einfach zu bezwingen. Aber Kristin beherrschte sie alle. Die Polin Jaworska und die Russin Beloussova, die bereits Silber und Bronze in den vergangenen zwei Jahren gewann, besiegte sie ebenso wie die Slowenin Urek, mit der sie bei der U-20-EM auf dem Bronzetreppchen stand.
Nach drei Siegen stand Kristin im Finale der Klasse über 78 kg. Dort traf sie auf Lokalmatadorin Larisa Ceric. „Das Finale war nicht einfach“, resümiert sie auch im Nachgang noch. „Ich hatte meinem Trainer am Abend gesagt, wenn ich ins Finale kommen sollte, dann will ich auch gewinnen!“ Mit Ceric hatte sie bereits gute Erfahrungen gemacht, bei der Junioren-EM gegen sie die Bronzemedaille gewonnen.
Diesmal wusste jedoch die Kontrahentin aus Bosnien-Herzegowina von der ersten Kampfsekunde an die komplette Halle hinter sich. Für die Frankfurterin war dieser Hexenkessel aber vor allem motivierend. Am Ende wurde es eine ganz knappe Entscheidung. Wie schon zwei Monate zuvor, ging der Kampf in die Verlängerung.
Diesmal kam aber keine Wertung mehr zustande und die Kampfrichter mussten entscheiden. Sie sahen Büssow vorn, mit 2:1 Stimmen. „Ich hätte mir zwar einen eindeutigen Ippon gewünscht, damit ein klarer Sieg kommt“, sagte sie zu dieser Situation, „aber es bestätigten mir viele andere Kampfrichter, dass auch sie mich am Ende vorn gesehen hatten.“
So richtig hat Kristin ihren Erfolg noch nicht realisiert. „Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich richtig begreife, dass ich Europameisterin bin.“
Nach einer langen und kräfteraubenden Saison ist nun endlich Regeneration für die Frankfurterin angesagt. „Ich muss dringend wieder mehr für meine Ausbildung zur Sozialassistentin tun“, gibt sie sich gleich Ziele für die nächsten Wochen vor.