„Das macht jeder so, wie es gerade passt“, erzählt die Internistin Marion Haftstein. Gemeinsame Pausenzeiten sind nicht drin. Denn Ruhezeiten sind selten. Und wenn, so Schwester Annett, werden sie genutzt, um sich auszutauschen oder weiterzubilden. „An den modernen Rettungsgeräten und -hilfsmitteln zum Beispiel müssen alle fit sein. Da ist regelmäßiges Training gut“, sagt sie.
Inzwischen kommt der 14-jährige Till Knösel aus dem Röntgenraum. Er war, wie er sagt, „unglücklich“ in den Pool gesprungen. Danach klagte er über Schmerzen im Nackenbereich, war in der Bewegung eingeschränkt. Seine Eltern Edina und Dirk Knösel sind beunruhigt und deshalb mit ihm in die Rettungsstelle gefahren. Dort wurde Till wie jeder Patient zunächst in der Anmeldung aufgenommen und dann an die Ersteinschätzung übergeben. Dort sitzen Schwestern oder Pfleger, die so ausgebildet sind, dass sie eine Ersteinschätzung vornehmen können und die Patienten nach Dringlichkeit der Behandlung klassifizieren. Schwester Annett zeigt das sogenannte Regenbogenzimmer, wo das passiert. In den Farben des Regenbogens erfolgt die Einschätzung, Rot sind die dringendsten Fälle, die innerhalb von zehn Minuten von einem Arzt begutachtet werden sollen. Über Gelb (30 Minuten) reicht die Palette bis Blau (90 Minuten).
Patienten, die in der Notaufnahme warten, verstehen nicht immer, dass ein anderer mitunter früher an der Reihe ist als sie, obwohl sie schon länger warten. Doch es könne hier eben nicht darum gehen, wer zuerst kommt. Die medizinischen Notwendigkeiten bestimmen den Ablauf. Das Team arbeitet nach dem sogenannten Manchester Triage System und ist dabei durchaus ein Vorreiter in Deutschland.
Als die Röntgenbilder von Till da sind, ruft Marion Haftstein einen Unfallchirurgen aus dem Klinikum dazu. Er entscheidet, dass der Junge mit einer Halskrause ausgerüstet wieder nach Hause darf. Die Eltern sind beruhigt und bedanken sich für die zügige und kompetente Behandlung.
Inzwischen kommt Bewegung in die bislang eher ruhige Mannschaft. Es ist 0.20 Uhr. Der Notarztwagen ist angekündigt mit einem 40-Jährigen, der zusammengebrochen war und wieder belebt werden musste. Innerhalb von wenigen Minuten werden Anästhesist und Neurologe dazu gerufen und der Schockraum vorbereitet. Die Notaufnahme im Klinikum ist auf dem Weg, sich zum Polytraumazentrum zertifizieren zu lassen. Deshalb sind die Abläufe bei solchen Einsätzen genau festgelegt, damit jeder Patient in wenigen Minuten die notwendige Behandlung erfährt.
So wird auch dieser Patient noch in der Notaufnahme untersucht und stabilisiert. Ultraschall, EKG, Blutabnahme folgen. Nach einer knappen halben Stunde erklärt Marion Haftstein, dass der Mann stabilisiert ist und wohl einen Herzinfarkt hatte. Der Patient soll deshalb zur Herzkathederuntersuchung und weiteren Behandlung auf die Station gebracht werden.
Wie bei schweren Unfällen gibt es bei Herzinfarkten und Schlaganfällen ein exakt vorgegebenes Management, für dessen Durchsetzung der jeweilige diensthabende Arzt in der Notaufnahme die Verantwortung trägt. Für Schlaganfälle gibt es im Haus die sogenannte Stroke Unit, die auch diesen betroffenen Patienten die schnelle und notwendige Behandlung garantiert.
Kurz vor ein Uhr kommt Ulrike Reichelt mit ihrem Lebensgefährten Christian Wenndorff in die Notaufnahme. Die 28-Jährige ist hochschwanger, schon vier Tage über dem Termin. „Es wird ein Mädchen“, weiß der angehende Vater und berichtet von Wehen, die jetzt alle fünf Minuten kommen. Von Pfleger Falko werden sie aufgenommen, mit einem Rollstuhl ausgestattet und in den Kreißsaal geschickt, wo der Pfleger die Frau bereits zur Entbindung angemeldet hat.
Wenige Stunden später ist das Baby da – Lina Marie. Für die Mitarbeiter in der Notaufnahme geht der Dienst weiter, bis sechs Uhr am Morgen sind sie im Einsatz, dann übernehmen andere.
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