Zwei Städte - eine gemeinsame Dachmarke. Mit diesem Ziel nehmen Frankfurt und Slubice Kurs auf eine gemeinsame Stadtverordnetenversammlung im Dezember, die erste seit über zwei Jahren. Vorher soll das Logo, für das jetzt überarbeitete Entwürfe präsentiert worden sind, noch in den Ausschüssen diskutiert werden. Ziel sei es deshalb, die Vorlage in der kommenden Woche in der Dezernentenrunde mit Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) zu diskutieren, kündigt Wirtschaftsreferent Sebastian Jarantowski an.
Mit dem gemeinsamen Projekt seien Frankfurt und Slubice Vorreiter, sagte Andreas Runze, Geschäftsführer der mit der Logo-Entwicklung beauftragten Berliner Werbeagentur Runze & Casper. "Damit werden sie sich herausheben aus allen Stadtmarken, die es gibt", ermunterte er bei der Entwurfspräsentation Vertreter beider Städte. Die Agentur schlägt ein grün-blaues Logo vor, in dem die Namen beider Städte auftauchen, das je nach Anlass mit dem Zusatz Kultur, Wirtschaft oder Tourismus ohne Grenzen versehen werden könnte. Runze schlägt auch vor, auf diese Weise bei Bedarf auch an die Verbindung Frankfurts mit Kleist zu erinnern.
Zu dem ebenfalls geäußerten Vorschlag, den Kleist-Bezug mit dem Zusatz "Kleiststadt" in die Dachmarke aufzunehmen, bewertet unter anderem Slubices Vize-Bürgermeister Piotr Luczynski skeptisch. "Ich assoziiere Frankfurt nicht mit Kleist", sagt er und vermutet, damit in Polen nicht alleinzustehen. Er habe keinerlei Zweifel daran, dass Kleists auf Frankfurts Visitenkarte gehöre, sei sich aber nicht so sicher, ob der Name in das Logo gehöre. Auch Roland Kant, Präsident der Frankfurter Sportunion, äußert Bedenken. Wichtig an einer Dachmarke sei doch eine klare Botschaft, und die lasse die Variante mit dem Zusatzvermerk Kleiststadt vermissen.
Wirtschaftsreferent Jarantowski hebt hervor, dass der Name Kleist selbstverständlich würdig untergebracht werden solle - und dass in der Verbindung mit der Bezeichnung "Kleiststadt Frankfurt (Oder)" durchaus geschehe. Ziel der Dachmarke sei es aber, Gemeinsamkeiten herauszustellen.
Es gebe für beide Varianten vernünftige Gründe, findet der Stadtverordnete Wolfgang Neumann (Linke). Es gehe doch darum, "etwas zu entwickeln, dass sich festsetzen wird" und so Werbung für die Städte zu machen. Doch auf Reklame dürfe sich das Stadtmarketing nicht beschränken. "Hinter dem Produkt steckt noch keine Leistung", sagt er. Er wolle nicht schmälern, was Frankfurt und Slubice bisher gemeinsam haben. "Das sind keine schlechten Dinge", sagt Neumann, doch die großen Projekte wie ein grenzüberschreitender Personennahverkehr oder die jetzt angepeilte gemeinsame Fernwärmeversorgung fehlten noch.
Die Dachmarke ist Teil eines Stadtmarketingkonzeptes, an dem im Investorcenter Ostbrandenburg (ICOB) gearbeitet wird, Im Oktober 2010 waren erste Ideen dafür bei einer großen Bürgerversammlung in der Konzerthalle vorgestellt worden. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist die nächste derartige Zusammenkunft für Ende Oktober geplant.