"Wir schaffen eine Begegnungsstätte, in der Menschen mit und ohne Einschränkung in allen Altersgruppen zusammenleben", erklärt Dirk Schulze von der Unternehmensgruppe. Hinter ihm dreht ein Kran seine Runden, Arbeiter entkernen Flure und Zimmer, tragen Schuttberge und Trümmer zusammen. Auch Elektriker, Installateure und Trockenbauer sind bereits auf der Baustelle aktiv. In den nächsten eineinhalb Jahren entstehen in dem Gebäude fünf Wohngruppen für Menschen mit Behinderung. Mit einem bekannten sozialen Träger seien sie dazu bereits in intensiven Gesprächen, so Schulze.
Hinzu kommen bezahlbare 45 bis 60 Quadratmeter große Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen für jedermann, egal ob alleinstehend, jung, alt oder verheiratet. 85 Wohneinheiten sind vorgesehen. "Alle bekommen einen großen Balkon. Es gibt zentrale Gemeinschaftsflächen als Treffpunkte. Und selbstverständlich wird das komplette Haus barrierefrei sein." Rund 40 Anfragen habe es bereits gegeben, berichtet Dirk Schulze. Dabei seien Reservierungen noch gar nicht möglich. Ein Ansprechpartner werde zu gegebener Zeit veröffentlicht.
Sein Geschäftsführerkollege Matthias Krebs habe das Gebäude viele Jahre lang im Blick gehabt, "auch die politischen Diskussionen, die es darum gab. Er hat von Anfang an das Objekt geglaubt", sagt er. Das 1978 in Plattenbauweise errichtete Lehrlingswohnheim wurde zuletzt von der Jump gGmbH betrieben. Schüler des Gauß-Gymnasiums, dem Oberstufenzentrum aber auch vom IB sowie Auszubildende waren hier zu günstigen Mieten untergebracht. 2012 war Schluss, die Stadt schloss das in die Jahre gekommene Internat. Unmittelbar danach wurde das Gebäude über Monate hinweg von Einbrechern heimgesucht. Im Polizeibericht tauchte die Puschkinstraße 1 regelmäßig auf. Die Stadtpolitik diskutierte verschiedene Optionen, auch den Abriss. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 stand zwischenzeitlich der Umbau zu einer Unterkunft für Asylbewerber zur Debatte. Doch Bewegung in die Liegenschaft kam erst mit dem Verkauf an den privaten Investor aus Frankfurt.
"Dass das Gebäude nicht abgerissen wurde, ist ein Glücksfall für uns, weil es in Frankfurt nur wenige Objekte gibt, die sich von den Grundvoraussetzungen für ein solches Projekt so gut eignen. Die zentrale Lage und die Verkehrsanbindung sind top, auch die Bausubstanz ist hervorragend. Plattenbauten mit ihrem Stahlbeton sind nicht kaputt zu kriegen – außer man reißt sie ab. Gut, dass das in dem Fall nicht passiert ist", sagt Dirk Schulze.

Seit 1994 in Frankfurt aktiv

Er und Matthias Krebs investieren in der Region seit Jahren in Immobilien und Bauprojekte. Gegründet wurde das Unternehmen 1994 von Ortwin Krebs, Vater von Matthias Krebs. Daraus entwickelt hat sich heute eine Unternehmensgruppe, die bereits viele Bauprojekte in Frankfurt erfolgreich umgesetzt hat, darunter in der Puschkinstraße 13 oder in der Walter-Korsing-Straße. Aktuell bauen Krebs & Schulze eine Anlage mit Eigentumswohnungen nahe der Marina.
Das inklusive Wohnprojekt in der Puschkinstraße 1 finanziert das Unternehmen vollständig über Eigenkapital und Kredite. "Ohne die Deutsche Bank mit den Entscheidern hier vor Ort und in Potsdam könnten wir das nicht stemmen", so Dirk Schulze, der in Richtung Stadt betont, dass eine solche Investition ohne Förderung in Frankfurt keine Selbstverständlichkeit sei. "Die private Wirtschaft geht hier richtig ins eigene Risiko – und wertet damit auch ein ganzes Viertel auf."