Von den Masuren bis nach Unterschlesien reichen die Kontakte des ÜAZ ins Nachbarland. "Die Zusammenarbeit mit Polen hat sich gut entwickelt", sagt Ausbildungsstättenleiter Jörg Lehmann. Hauptsächlich Lehrgänge im Trockenbau, im Mauern oder im Fliesenlegen interessierten die angehenden Bauleute aus Polen, berichtet er.
Gerade sind 20 Bautechniker-Lehrlinge aus dem nordpolnischen Braniewo Am Erlengrund zu Gast. Ihre Betreuer Iwona Obolewicz und Dariusz Zukowski sind zufrieden mit dem, was die zwei Frauen und 18 Männer so leisten. "Sie arbeiten fleißig. Mancher möchte am liebsten keine Pause machen", berichtet Iwona Obolewicz und erklärt auch, warum. Es fehle im polnischen Bauwesen an praktischer Ausbildung. Oft sei es so, dass sie bei ihren Praktika nicht zu viel mehr Gelegenheit hätten als zu Aufräumarbeiten oder dazu, Wände zu weißen. "Theoretisch haben sie alles im Kopf", berichtet die Lehrerin über die Schüler des zweiten und dritten Lehrjahres, die gerade drei Wochen Ausbildung in Frankfurt absolvieren. "Hier können sie endlich mauern." Ein erster Zwischentest ermutige die Mädchen und Jungen, auf dem richtigen Weg zu sein. Alle hätten die kleine Prüfung mit der Note Zwei bestanden.
"Unsere Qualität hat sich herumgesprochen", sagt Ausbildungsleiter Lehmann nicht ohne Stolz. Kontakte bestünden inzwischen mit fünf Standorten in Polen. Seit 2008 gebe es intensive Werbung um Teilnehmer aus dem Nachbarland. Das ÜAZ erledige überdies Aufträge für Kirgisistan und erwarte nach Ostern erneut Ausbilder aus Ägypten, die in dem nordafrikanischen Land Baulehrlingen ihr Wissen weitergeben.
Kontakte über die Grenze hinweg habe vor allem Walter Jahn, Leiter des Auslandsdienstes beim Berufsförderungswerk, geknüpft, hebt Jörg Lehmann hervor. "So betreiben wir natürlich auch Standortsicherung", sagt er mit Blick auf sinkende Lehrlingszahlen und Bevölkerungsrückgang. Teils komme schon jeder zweite Teilnehmer aus dem Ausland.
Die Gäste wüssten Frankfurts gute verkehrsgünstige Lage zu schätzen - und die Polen kämen besonders gern wegen der Nähe zu Slubice. Aus ganz praktischen Gründen. Wenn jemand krank wird, könne ihm dort einfacher geholfen werden. "Wir haben hier ohnehin gewisse Standortvorteile", sagt Lehmann und verweist auch auf die gute Zugverbindung nach Berlin. Zum Kursprogramm zähle immer auch Freizeitgestaltung - und dazu gehört unter anderem für jede Gruppe ein Besuch im Bundestag mit Führung.
Neben der Bauausbildung setzt das ÜAZ auf Angebote in den Bereichen Gastronomie und Hauswirtschaft. In den Umbau ehemaliger Maurer-Hallen in Lehrküchen habe das Berufsförderungswerk - Träger der Einrichtung - einige Hunderttausend Euro investiert, berichtet Jörg Lehmann. "Wir sind froh über das Vertrauen, das damit in den Standort Frankfurt gesetzt wird", sagt er und sieht die Investitionsentscheidung auch als Bestätigung dafür, dass die 32 Mitarbeiter der Ausbildungsstätte gute Arbeit leisten.
Informationen im Internet unter www.bfw-bb.de/FFO/Start_FFO.htm