Keine vier Meter muss sich Matthias Antkowiak in die Tiefe begeben, um mehr als 500 Jahre Geschichte hinter sich zu lassen: In den Kellergewölben des Bolfrashauses kommt er dem mittelalterlichen Frankfurt ziemlich nahe. Im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und der Wowi-Tochter Arbeiten und Leben in historischen Gebäuden (Arle) leitet Antkowiak die archäologischen Grabungen am südöstlichen Marktplatz - dort, wo einmal das Bolfrashaus stand und nach Planungen der Arle auch wiedererrichtet werden soll.
Dass viele Keller das weitgehende Verschwinden von Frankfurts historischer Innenstadt überstanden haben, ist kein Geheimnis. Überraschungen können sich dennoch darin verbergen, wie Grabungsleiter Antkowiak berichtet: So haben er und seine Kollegen acht Sandsteinteile entdeckt, die am Erker des neuen Bolfrashauses ihren Platz finden sollen. Im ehemaligen Hof des Hauses stießen sie auf eine Schicht von Spuren, die der späten Eisenzeit oder der frühen Bronzezeit zuzuordnen, also gut 1000 Jahre alt sind.
Die Keller, mit denen sich Antkowiak und seine Kollegen jetzt beschäftigen, sind gut 500 Jahre jünger. Im 16. Jahrhundert kaufte die einflussreiche Frankfurter Familie Bolfras das Haus, 1597 ließ Michael Bolfras es aufwendig umbauen.
Um die 3,50 Meter hoch sind die Kellerwände, die von diesem Bau noch übrig sind. Zum Teil noch erstaunlich gut erhalten, wie der Archäologe berichtet. "Wenn sich ein Weg findet, sie in den Neubau einzubeziehen, würde sich das schon lohnen." Und er hofft jetzt, nachdem zwei Drittel der Keller freigelegt sind, für den letzten Teil der Arbeiten auf weitere interessante Funde, wenn die Grabungen in Richtung Westen zur Großen Oderstraße vorankommen. "Da gibt es noch interessante gotische Keller mit Kreuzgewölben", kündigt Antkowiak an. Wobei das mit den Gewölben so eine Sache ist: Nach dem Krieg seien die Keller mit Brandschutt verfüllt und dabei offenbar auch Deckengewölbe eingedrückt worden, berichtet der Grabungsleiter.
Wenn er und seine Leute die Baustelle verlassen, ist ihre Arbeit noch nicht getan. Dann geht es an die Vervollständigung der Dokumentation. Jeder Fund wird gezeichnet, dreidimensional eingemessen, fotografiert und beschrieben.
Am südöstlichen Frankfurter Markt werden dann die Arbeiten zum EU-finanzierten Wiederaufbau des Gebäudes beginnen, in dem einmal unter anderem die deutsch-polnische Tourist-Information ihren Sitz haben soll. Einzelheiten zum Projekt sollen am 28. Mai bei einer Konferenz im Kleist Forum vorgestellt werden.