Mehr Fahrgäste in einer schrumpfenden Stadt – für Michael Ebermann ist das kein Widerspruch. Der Geschäftsführer der Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder) (SVF) verweist darauf, dass die Frankfurter älter werden und dass damit mancher inzwischen statt des eigenen Autos die Angebote der SVF nutzt. Um rund 200 000 ist die Zahl der jährlichen Fahrgäste den Angaben zufolge seit 2007 gestiegen. Erklärbar ist der Zuwachs nach Worten des Geschäftsführers auch mit steigenden Schwerbehindertenzahlen. Der Anteil dieser Gruppe von Fahrgästen sei seit 2008 von 12,43 auf 16,14 Prozent gestiegen.
Dass nach SVF-Berechnungen jeder Frankfurter durchschnittlich 190 Fahrten mit Stadtbus oder Straßenbahn unternimmt, lässt sich nach Einschätzung des Geschäftsführers aber nicht zuletzt darauf zurückführen, dass beim Stadtverkehr in Qualität investiert wird. Das Unternehmen sei bemüht, den Fahrgästen gute Angebote zu unterbreiten. „Wenn man will, dass diese Entwicklung weiterhin stattfindet, kann man keine stärkeren Einschnitte am Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs vornehmen“, betont Ebermann. Das umfasse auch die Bereitschaft der Mitarbeiter des Unternehmens, gute Arbeit zu leisten. Dass sie das tun, sieht der Geschäftsführer mit den Ergebnissen von Fahrgastbefragungen bestätigt. In Sachen Freundlichkeit, Beratung am Telefon, Pünktlichkeit oder Fahrweise hat das Frankfurter Unternehmen im vergangenen Jahr bei einer Befragung innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg überdurchschnittlich gut abgeschnitten.
Am stärksten genutzt wird der aktuellen Fahrgasterhebung zufolge die Straßenbahnlinie 1. Werktags sind demnach durchschnittlich 7694 Menschen zwischen Neuberesinchen und der Lebuser Vorstadt unterwegs. Die Nutzerzahlen entsprechen 20 Prozent der Gesamtfahrgastzahlen der Straßenbahn. Die am meisten frequentierte Buslinie ist die 981 (Kopernikusstraße–Booßen) mit durchschnittlich 7280 Fahrgästen an Werktagen.
Michael Ebermann macht keinen Hehl daraus, dass die Stadtverkehrsgesellschaft nach wie vor an einer Netzerweiterung nach Slubice und zum SMC interessiert ist. Die öffentliche Diskussion weiter anfachen möchte er jedoch nicht. „Wir warten jetzt ab, wie die Politik entscheidet und was die Verwaltung uns dann vorgibt.“ Zuletzt hatte es geheißen, dass Ende März die Ergebnisse des Gutachtens zum grenzüberschreitenden ÖPNV in Frankfurt und Slubice vorgelegt werden sollen.
Zugleich fordert der Geschäftsführer verlässliche Bedingungen für den Stadtverkehr mit der anstehenden Fortschreibung des Nahverkehrsplans bis 2015. „Die Rahmensetzung muss dem entsprechen, was in der Vergangenheit unsere Grundlage war.“ Der Zuschussbedarf des öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt liegt bei 5,3 Millionen Euro. Nach Ebermanns Worten betrug der Kostendeckungsgrad der SVF im vergangenen Jahr 61,4 Prozent. In Cottbus und Brandenburg/Havel – also von der Nahverkehrsstruktur etwa vergleichbaren Städten – habe er unter 60 Prozent gelegen.