Touristen, die nach dem Dombesuch einen Abstecher Richtung Museum machen, fragen häufig: Wie kommt denn der Leuchtturm hierher? Die Antwort wurde am Sonnabend beim Seezeichensymposium in der Kulturfabrik aus vielen Perspektiven gegeben. Klaus Adam, Fachgruppenleiter für Nachrichtentechnik beim Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund (WSA) kennt das „Unterfeuer Vierendehlengrund“ wohl am besten, denn in den 40 Jahren, die er für die Stralsunder Behörde arbeitet, gehörte die vierteljährliche Wartung des Leuchtturms zu seinen Aufgaben.
In seinem Vortrag gab er am Sonnabend auch manche Anekdote zum Besten: Das Unterfeuer – nur Landratten sprechen von einem Leuchtturm – lag im Grenzgebiet. Das bedeutete zu DDR-Zeiten, dass die Inspektionsfahrt immer bei den Grenztruppen anzumelden waren. Einmal wurde diese Anmeldung offenbar nicht weitergeleitet. Denn als Adam und ein weiterer Techniker mit dem Ruderboot – Motorboote waren verboten – zum Feuer unterwegs waren, wurden sie unter Beschuss genommen. Sie kehrten flugs um. „So schnell bin ich nie wieder in meinem Leben gerudert“, sagte Adam.
Der Ingenieur kannte auch die Entstehungsgeschichte des Feuers aus dem Effeff. Ausführlich und anschaulich zitierte er aus über 100 Jahre alten Akten, die sich mit der sicheren Nordansteuerung des Stralsunder Hafens befassten. Ab 1904 wurde sie geplant, mit Leit-, Richt-, Unter-, und Quermarkenfeuern – ein wichtiger Teil dieses Projektes war damals der rund neun Meter hohe Turm, der am Vierendehlengrund vor Rügen platziert wurde. 100 Jahre später steht er nun mitten in einer Stadt, und das hat wenig damit zu tun, dass solche Seezeichen nicht mehr gebraucht werden. Schon zu DDR-Zeiten wurde aus Geldmangel die Fahrrinne zum Stralsunder Hafen nicht mehr genug ausgebaggert und versandete deshalb. Als man die nun nutzlose „Dicke Berta“, wie sie Seeleute nannten, 2005 demontierte, wollte sie an der Küste keiner haben – aber in Fürstenwalde gab es starkes Interesse. Klaus Rattemeyer und weitere ehemalige Gaselaner kämpften erfolgreich um sie, unterstützt von Klaus Adam.
Der Turm kam 2007 praktisch wieder nach Hause – denn in den Fürstenwalder Pintsch-Werken war er produziert worden – wie zahllose Seezeichen in der ganzen Welt, von Patagonien bis Spitzbergen, berichtete Rattemeyer in seinem detailreichen Vortrag über die Firma Pintsch.
Zuvor wurde Klaus Adam als Dankeschön ein Modell des Leuchtturms überreicht – anfertigt in zweijähriger Kleinarbeit von Hans Panten und vielen Helfern. „Der bekommt einen Ehrenplatz im Foyer unseres Amtes“, sagte der Überraschte Adam.