Mit geübten Handgriffen montieren Cyprien Cirez Fathey und Freddy Michel Ovongo Meba Kabel an einen Verteilerkasten. Die jungen Männer stammen aus Kamerun, sind im Mai 2014 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und absolvieren jetzt seit August vergangenen Jahres in der Wilmersdorfer Elektrofirma Bredow eine Ausbildung zum Elektroniker in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. "Ich war in meiner Heimat schon Elektriker", sagt Freddy Michel Ovongo Meba, der inzwischen gut deutsch spricht. Vergleicht der 32-Jährige Elektroanlagen seiner Heimat mit den Standards in Deutschland, muss er schmunzeln. "In Kamerun gibt es nur eine Phase und alle Oberleitungen hängen wirr herum", erzählt er.
Jetzt muss er in seinem vielseitigen Arbeitsumfeld Computertechnik, Antennen-, Sprech- und Telefonanlagen installieren können. "In der Praxis machen sich die beiden sehr gut", sagt Elektromeister Jörg Bredow, der jährlich bis zu sechs Auszubildende betreut. Haben die Lehrlinge Fragen oder Probleme, helfen die berufserfahrenen Gesellen gern weiter. Die Theorie, die im Oberstufenzentrum Eisenhüttenstadt vermittelt wird, ist für die Kameruner allerdings eine große Herausforderung. "Die Fachbegriffe zu verstehen, ist sehr schwer", so Cyprien Cirez Fathey und zeigt stolz sein erstes Zwischenzeugnis. "Ich hatte für zehn relativ leichte Aufgaben nur eine Stunde Zeit", erläutert Cyprien und spricht von dem enormen Zeitdruck und der daraus resultierenden Nervenanspannung. Schließlich musste er jeden Satz mehrfach lesen, um zu verstehen. Für Muttersprachler sicher kein Problem. Das große Ziel für die beiden ist jetzt, bei den Zwischenprüfungen im nächsten Sommer zu punkten, schließlich geht das Ergebnis mit 40 Prozent in die Endnote ein.
"Die zwei sind mit großem Engagement dabei, ich hatte großes Glück", sagt Jörg Bredow, der auch Obermeister der Elektro-Innung ist. "Lehrlinge sind eine Investition in die Zukunft. Die Branche braucht gut ausgebildete Fachkräfte", so Bredow, der in 26 Jahren rund 60 junge Menschen ausgebildet hat.