Herr Steimle, 2009 waren Sie Mitglied der Bundesversammlung, als diese über den neuen Bundespräsidenten entschied. Wen hätten Sie diesmal gewählt?
Friedrich Schorlemmer.
Der Theologe und Bürgerrechtler stand gar nicht zur Wahl.
Das spricht Bände.
Für welchen der tatsächlichen Kandidaten hätten sie sich entschieden?
Für Friedrich Schorlemmer. Wir brauchen keinen langweiligen Grüß-August. Aber leider gibt es in Deutschland nur noch die kapitalistische Einheitspartei von Sigmar Merkel. Das Volk muss den Bundespräsidenten wählen. Irgendwann wird die Straße das Parlament erreichen.
Und wenn nicht?
Wir befinden uns in höchst dramatischen, gefährlichen Zeiten. Wir merken gar nicht, wie nahe die Gefahr ist.
Was befürchten Sie?
Einen Weltkrieg, bis hin zum Einsatz der Atombombe. Deswegen wäre Friedrich Schorlemmer, der schon in den 1980er-Jahren Schwerter zu Pflugscharen machen wollte, als Bundespräsident so wichtig.
Welche Rolle spielen aktuelle politische Entwicklungen in Ihrem Programm, das Sie Ihrem Publikum in Fürstenwalde zeigen?
Eine große. Es gibt nichts langweiligeres als Kabarett von früher. Natürlich wird auch der neue US-Präsident Donald Trump eine Rolle spielen.
Ihr Programm "Fein(k)Ost" ist aber deklariert als eine Art Best Of der heitersten Szenen auch aus Ihrem früheren Repertoire. Wie passt das zusammen?
Nach 27 Jahren auf der Bühne ist es für mich immer noch erstaunlich, wie viele Geschichten zeitlos aktuell sind. Die Gesellschaftsordnungen ändern sich, aber nicht die Menschen. Und die Widersprüche im System verstärken sich. Wir sind fast wieder in einer revolutionären Situation, ähnlich wie zum Ende der DDR. Kabarett muss auch zornig sein.
Der Saal in der Fürstenwalder Kulturfabrik ist ausverkauft. Wie sehr freut sie das?
Ich halte das wie in der Kirche. Dort wird auch dann gepredigt, wenn nur einer kommt.