haben einen. Die Amtsgeschäfte hat er in der Woche zuvor schon an seinen Nachfolger, Steffen Madloch, übergeben. "Mit dem Angebot zu helfen, wenn es Not tut." Nur langfristig verplanen lassen will sich Felmy nicht. "Ich sehe das, was vor mit liegt, als große Chance, neu anzufangen.
Rührende Geschenke
Der Wahl-Markgrafpiesker hat ein paar Geschenke von seiner Verabschiedung dabei. Von Kindern gemalte Bilder. Ein dickes Album, in dem unzählige Fotos von seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen berichten. Und er legt eine Schachtel "Merci" auf den Tisch. "Ich bin noch immer gerührt", sagt er, als er die Schokolade präsentiert. Jeder Riegel ist mit einem Blatt Papier umwickelt. Darauf stehen Worte des Dankes – für "miteinander lachen", "dein Vertrauen" und "dass du meine Kindheit ein bisschen bunter gemacht hast".
In Stuttgart geboren, in Gütersloh das Abitur abgelegt, in Marburg und Berlin studiert und in der Hauptstadt gearbeitet – Stefan Felmy ist schon 17 Mal umgezogen. "Ich habe quasi überall in Deutschland gelebt." Nach Markgrafpieske hat ihn vor 25 Jahren ein Zufall geführt: Die Pfarrstelle sollte gestrichen werden, er suchte mit 40 nach einer Scheidung einen Neuanfang – in der Nähe seiner vier erwachsenen Kinder und zeigte Interesse. Der Gemeindekirchenrat wollte ihn, obwohl es 1994 schwierig war, eine Stelle im Osten mit einem West-Pfarrer zu besetzen.
Sein Start gestaltete sich unkonventionell. "Ich hatte einen Gaskocher vom Camping, ein Klappbett und meinen Hund im Auto und fragte, wo Platz für mich ist." So kam er erst einmal im Gemeinderaum des Pfarrhauses unter. Um die Markgrafpiesker kennen zu lernen, bot er an, mit dem Traktor ihre Wiesen zu mähen. Das Gefährt wurde sein Markenzeichen, chauffiert er doch damit zu Festen die Kinder durchs Dorf, trägt die Gaben für den Erntedank zusammen. Felmy schuf einen Kinderbauernhof, richtete Zirkus-Ferien aus, öffnete das Pfarrhaus für "Urlaub gegen die Hand", nutzte also die tatkräftige Hilfe der Gäste für die Unterhaltung von Gebäude und Garten. Gemeinschaft ist ein Schlüsselwort, das ihn stets begleitet hat.
Einen Großteil seiner Stelle machte der Religionsunterricht aus – erst 50, später 80 Prozent. So war er stets von jungen Leuten umgeben – mit all ihren neugierigen, zuweilen unbequemen Fragen. "Du redest so viel von Frieden, warum werden dann im Namen der Religion Kriege geführt?", wollten sie von dem Pfarrer wissen. Das Projekt Friedenskirche war geboren.  Es zählt zu den Spuren, die er hinterlässt. Jedes Fenster des Gotteshaus ist seit 2012 einer Religion vorbehalten, eines allen, die ohne Glauben leben. "Es geht nur im Miteinander, mit gegenseitiger Verantwortung. Mensch ist Mensch und Unmensch ist Unmensch."
Stefan Felmy macht sich langsam auf den Weg zur anderen Seite, zum Ruhestand. Er wolle die Gemeinde unterstützen, "so lange es Spaß macht". Das Vertraute bleibe, das Neue entwickle sich. Und er will Zeit mit seinem jüngsten Sohn verbringen, mit dem heute Zehnjährigen über die Dörfer fahren und Puppentheater spielen. "Mein Campingwagen ,Fuchur’ steht schon bereit."

Drei Fragen an Stefan Felmy, Pfarrer i.R.


Welche Personen prägten Sie besonders? Mir fallen spontan drei ein: Janusz Korczak, ein Traumpädagoge, den ich natürlich nicht persönlich kannte, dessen Auffassungen mich aber stark beeinflussten. Richard von Weizsäcker – er ist für mich der moderne Politiker, der nach Inhalten gehandelt hat. Ich habe ihn getroffen, er hat mich auch menschlich überzeugt. Und mein Onkel, der Schauspieler Hansjörg Felmy, der Fehler machen und sie auch zugeben konnte.

Können Sie sich vorstellen, Markgrafpieske zu verlassen? Ich bin Brandenburger mit Migrationshintergrund. Ich weiß es nicht, weil ich noch nicht weiß, wo das Leben mich nun hinführen wird. Ich möchte michbinden und trotzdem die Freiheit genießen.

Wollen Sie noch mal 17 Jahre jung sein? Wenn, dann mit dem Verstand von heute. ... Aber nein, das ist nicht nötig.