Wenn demnächst auf den Philippinen ein neues Gaskraftwerk in Betrieb geht, dann wird das auch durch Technik aus Fürstenwalde möglich. Marko Bartusch und Martin Scholich zeigen beim Rundgang über ihr Betriebsgelände auf drei riesige, mit schweren Schrauben verschlossene Apparate. Die drei Teile, das schwerste von ihnen wiegt etwa zweieinhalb Tonnen, werden Bestandteil eines Brennstoffsystems für das Kraftwerk in dem südostasiatischen Inselstaat. In diesen Systemen wird das Gas gereinigt, bevor es anschließend mit dem passenden Druck von 30 bar die Turbinen des Kraftwerks antreiben kann. Bei der Firma EEE Anlagenbau GmbH werden die Systeme für die Gasversorgung zum Kraftwerk hergestellt und zusammengebaut, getestet und wieder in Baugruppen zerlegt. Dann geht es auf die weite Schiffsreise Richtung Pazifik.
Seit 2007 existiert das Unternehmen, dessen Abkürzung EEE für "Energy & Environment Engineering" steht. Gegründet wurde es als kleines Start-Up von Marko Bartusch, vorher Abteilungsleiter Anlagenbau bei RMG Gaselan, und Martin Scholich, der zuvor ein eigenes Ingenieurbüro betrieb. Heute sind die 50 und 57 Jahre alten Männer Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der GmbH; inklusive zweier Tochterfirmen sind sie Arbeitgeber für 36 Menschen.
In den Tränkeweg, in ein Gebäude gegenüber des Reifenwerks, sind sie erst im Mai umgezogen. "Vorher hatten wir im Gewerbeparkring unseren Sitz, aber dort reichte der Platz nicht mehr aus", sagt Bartusch. Bei ihrer Vergrößerung profitierte die EEE GmbH auch von der Schließung von RMG Gaselan im vergangenen Jahr. "Das war ein Glücksfall für uns", sagt Bartusch offen. 21 ehemalige Gaselaner hätten bei ihm einen neuen Arbeitsplatz gefunden. "Jetzt sind wir die einzigen, die in Fürstenwalde die Tradition der Gastechnologie-Industrie von Pintsch und Gaselan fortsetzen", sagt Scholich.
Eigentlich wollten die Geschäftsführer auch den gesamten Bereich der Herstellung von Flammendurchschlagsicherungen von RMG abkaufen. Die Verhandlungen seien aber gescheitert, berichtet Bartusch. Nun wolle man die Herstellung dieser Komponenten, mit denen zum Beispiel die Kraftstoffvorräte an Tankstellen gesichert werden, selber entwickeln.
Schwerpunkt der Arbeit bei EEE bleiben aber die Brennstoffsysteme. Eingebaut wurden sie bereits in Kraftwerken in aller Welt - in Japan, China und Südkorea, in Thailand, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Irak, in Nigeria und Venezuela. Haupt-Auftraggeber sind die Konzerne Siemens und ABB. Das Geschäft mit den Anlagen läuft seit Beginn hervorragend. "Rote Zahlen schrieben wir nie. Einmal war es eine schwarze Null, zurzeit sind die Zahlen mehr als schwarz", sagt Scholich. Der Umsatz der GmbH lag im vergangenen Jahr bei etwa sechs Millionen Euro.
Die Geschäftsführer sind überzeugt, dass die positive Entwicklung ihres Unternehmens anhält. Gaskraftwerke und damit ihre Brennstoffsysteme seien auch in Zukunft gefragt. "Der Energiemarkt wächst permanent, und in Asien sowie in Mittel- und Südamerika gibt es große Gasvorkommen", sagt Bartusch. Lediglich in Deutschland gebe es kaum einen Markt - doch das sei nicht weiter tragisch. Immerhin hat EEE für nächstes Jahr auch einen Auftrag für eine Anlage in Berlin-Lichterfelde an Land gezogen. "In zehn Jahren wollen wir mindestens doppelt so groß sein wie jetzt", sagt Scholich.