45 Jahre Bühnenerfahrung haben die mittlerweile 70-Jährige kaum altern lassen. Grazil betrat sie die Bühne. Hose und Pullover in anthrazit, ihr langes, seidenglattes rotes Haar leuchtet wie ihr Lächeln. Mit der Aidsschleife auf Brusthöhe gibt sie ein erstes Statement ab, weitere folgen. Mit ihrem fabelhaften Pianisten Stefan Kling präsentierte sie poetische und politische Chansons mit scharfen, aber nie hoffnungslosen Kommentaren zu Politik und Gesellschaft.
Katja Ebstein greift tief ins Archiv der Querdenker und Friedensbewegung, deren Teil sie immer noch ist. Sie singt und rezitiert Texte von Hannes Wader, Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Stephan Sulke, Robert Long, Hermann van Veen, Udo Lindenberg und Hanns Dieter Hüsch. Totenstille wechselt mit frenetischem Applaus. Ebstein appelliert, sich einzusetzen und den Mund aufzumachen. "Wählen gehen ist wichtig. Wer nicht wählt, hat trotzdem gewählt." Die erste Hälfte dominiert fast der Schwermut. Dem entgegen steuert die Künstlerin kurz vor der Pause mit "Mensch, Ebstein", einem Aufmunterungslied, das Georg Kreisler schrieb.
Die zweite Hälfte des Abend beschäftigt sich mit der Liebe. Zu Menschen, zu Städten, zur Welt. Katja Ebstein spricht über ihre große Liebe, Heinrich Heine, den sie bereits im Alter von zwölf Jahren zu ihrem Alter Ego erkoren hatte. "Er ist so aktuell wie eh und je" betont die Künstlerin. In den Zugaben preist sie die Wiedervereinigung der Deutschen und setzt dem berührenden Abend mit der Darbietung von "Sag' mir, wo die Blumen sind" die Krone auf. "Der Abend war große Klasse" ruft es aus dem stehenden Publikum. Ebstein lächelt. "Sie war sicher nicht das letzte Mal hier", erklärt Kufa-Chef Klaus Oehler.