Während sich die Mitarbeiter um Belange ihrer Sauna-Gäste kümmern, wird einer der Angestellten recht häufig in Gespräche verwickelt. Erst im August hat der junge Mann mit asiatischem Aussehen im Satama seine Ausbildung zum Hotelfachmann begonnen. Sein Deutsch ist nicht perfekt, aber schon ungewöhnlich gut in der  Aussprache. Auf seinem Namensschild ist "David" zu lesen. Er bedient die Restaurantgäste freundlich und nimmt die Bestellungen auf. Doch damit geben sie sich kaum zufrieden. Wo er "herkommt", wird oft gefragt. Immer wieder muss Lov Eamong seine Geschichte erzählen.
In seiner Heimat Kambodscha seien selbstgewählte Zweitnamen fürs Berufsleben ganz normal, sagt der 23-Jährige. Seit 2013 nennt er sich deshalb David. Seine kambodschanischen Freunde heißen Rebecca oder Johnny, weil es "modern" klingt. 2017 habe er aus politischen Gründen fliehen müssen, sagt David. Darüber sprechen möchte er nicht.
Klar ist: Er wird erst einmal für lange Zeit nicht in die Heimat zurückkehren können. In Kambodscha hat David Abitur gemacht, Buchhaltung studiert, als Dolmetscher gearbeitet und von seiner Muttersprache "Khmer" ins Chinesische übersetzt. Neben Freunden ließ er dort zwei Schwestern, einen Bruder und die Mutter zurück. Fünf Stunden Zeitverschiebung und die Arbeit im Schichtbetrieb schmälern den Kontakt auf ein Gespräch alle paar Wochen.
Gelungene Integration
In Deutschland wollte David "neue Erfahrungen sammeln". Ohne Anerkennung seiner Abschlüsse und Deutschkenntnisse war es für ihn anfangs schwer – seine Qualifikationen wurden auf einen Hauptschulabschluss reduziert. Das Talent für Sprachen und sein Ehrgeiz haben ihm geholfen, sich trotzdem schnell einzuleben. Das Caritas-Jugendberufshilfeprojekt "starten statt warten" unterstützte Davids Neuorientierung. "Wir haben ihm bei Übersetzungen geholfen, zusammen Bewerbungen geschrieben und zu möglichen Ausbildungen beraten", sagt Projektleiterin Marika Klawon. Sie ist froh, ihn schon nach wenigen Anläufen in einen Ausbildungsbetrieb weitervermittelt zu haben.
Internationaler Austausch
Er sei "glücklich darüber", als einer von sechs neuen Azubis angenommen worden zu sein, betont David. Er habe "gerne Kontakt mit anderen Menschen" und brauche die Abwechslung. Praktischerweise wird er in drei Jahren Ausbildung jede Abteilung durchlaufen, um Marketing, Spa, Küche, Restaurant und Housekeeping kennenzulernen. An seinem späteren Arbeitsplatz, der Rezeption, könne dann alles Wissen angewendet werden, erklärt Victoria Haak. Seine "sehr angenehme, offene Art" habe die Kollegen schon beim Probearbeiten überzeugt, lobt die Marketing-Mitarbeiterin.
Offenbar passt David auch genau ins Konzept des Sauna-Resorts: "Wir sind sehr stolz, hier ein internationales Team zu haben, das die Gäste auch mit Sauna-Aufgüssen betreut", sagt Victoria Haak. Im Austausch mit anderen Aufguss-Teams aus Polen, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden oder den USA werde dem Publikum eine "bunte Vielfalt" geboten.