Die Schraube will einfach nicht sitzen. „Haben Sie eine Flachzange“, fragt William Seehawer (16) Ausbilder Tomas Fischer. „Ich helfe dir mal“, sagt der und nimmt dem Morus-Oberschüler aus Erkner ein Holz-, ein Metallstück und eine Schraube aus der Hand, die zusammengesetzt ein Teil eines Taschenmessers ergeben sollen.
Vor zwei Jahren hat sich die Astor Schneidewerkzeuge GmbH erstmals bei der Ausbildungsbörse präsentiert; „dieses Jahr ist hier mehr los“, lautet ein erstes Fazit von Produktionsleiter Michael Albert. Der Nachwuchsmangel treibt auch das Storkower Unternehmen in die EWE-Halle, wo am Freitag 85, am Sonnabend 78 Aussteller um das Interesse von Schülern und Eltern buhlen. „Wir kriegen auf dem Arbeitsmarkt nicht die, die wir brauchen“, sagt Albert. Beim Nachwuchs sehe es nicht besser aus: von zehn Ausbildungsplätzen sind nur acht besetzt.
Das ist bei der Firma Rohleitungsbau Helmut Schmidt nicht anders. Um auf seine Ausbildung zum Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme aufmerksam zu machen, zeigt sich das Fürstenwalder Unternehmen erstmals an einem Messestand. „Man muss ein Faible dafür haben. Die Arbeit findet viel draußen statt“, sagt Betriebsstättenleiter Marco Ludwig. Azubi Daniel Koscenko zeigt derweil Spreeoberschüler Nico Barrach (15) wie ein Spleißgerät Glasfasern miteinander verbindet.
Knapp 1300 Schüler haben sich für den Messebesuch am Freitag angekündigt. „Eltern werden wir heute vermutlich nicht viele sehen. Wir sind gespannt, wie sie den Sonnabend annehmen“, sagt Heike Beyse von der Stadtverwaltung. Erstmals findet die Börse in diesem Jahr an zwei Tagen statt.
Marco Gransow von der Oberschule Chance in Bugk leiht sich am Stand von Moses ein Hemd für ein kostenloses Bewerbungsfoto am Stand des Oberstufenzentrums Palmnicken. Im Bereich Abfallwirtschaft wolle er mal arbeiten, sagt der 16-Jährige. Obwohl auch sie in diesem Jahr ihren Abschluss machen, wissen Tom Heyse und Jason Graef noch nicht genau, was ihnen die Zukunft bringen soll. Ratlos stehen sie herum: Auf Zetteln, die die 16-Jährigen von ihren Lehrern an der Juri-Gagarin-Schule in die Hand bekommen haben, sollen sie Firmenprofile eintragen.
An ihnen vorbei steuert Yannick (13) zielstrebig auf den Stand der Polizei Brandenburg zu. Dort darf er eine nicht geladene Pistole halten. „Wer zu kleine Hände hat und den Abzug nicht mit dem Finger erreicht, kann nicht Polizist werden“, sagt Kommissaranwärter Justin Schmidt. „Ich wusste nicht, dass das so kompliziert ist“, sagt Yannick, nachdem ihm das mehrstufige Aufnahmeverfahren erklärt wurde. Ein paar Jahre hat der Rahn-Oberschüler noch Zeit, sich darauf vorzubereiten. Seine Hände sind jedenfalls groß genug.
Sonnabend, 10 bis 14 Uhr, EWE-Halle, Frankfurter Straße 67