Im „Red Fox“ an der Gartenstraße in Fürstenwalde sitzen die Gäste schon mal bis nach 23 Uhr bei einem Bier oder anderen alkoholischen Getränken. Genau das ist nach der neuen Corona-Verordnung des Landes jetzt aber verboten und die Stadt Fürstenwalde will das auch kontrollieren. Dass er die neue Einschränkung jetzt seinem Publikum beibringen muss, kommentiert Inhaber Torsten Schulz zunächst gelassen: „Das ist besser, als wenn sie mir den Laden zugemacht hätten.“ Nach der Erfahrung der vergangenen Monate erwartet er keine Schwierigkeiten: „Als ich um 22 Uhr schließen musste, sind die Leute eben früher gekommen, die Bestimmungen werden eingehalten.“ Die zweieinhalbmonatige Schließung sei dagegen „nicht schön“ gewesen.

Gastronomen bleiben vorsichtig optimistisch

Das Alkohol-Ausschank-Verbot nach 23 Uhr „betrifft uns jetzt nicht in erster Linie“, sagt Lutz König, Inhaber des „Seeblick“ in Trebus. Sehr wohl aber betreffen den Gastronomen und sein Team die Auflagen für größere Veranstaltungen wie Familienfeiern. Laut neuer Landesverordnung dürfen bis zu sechs Personen ohne Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern an einem Tisch sitzen. König hat indes schon vorher zahlreiche Veranstaltungen wie Karneval und Silvester abgesagt. „Da bricht jetzt eine ganze Menge weg.“ Dennoch gibt er sich nicht pessimistisch: „Unser Vorteil ist, dass wir ein großes Haus haben und die Leute verteilen können.“
Ähnlich schildert Guido Haß, der Geschäftsführer des Bad Saarower Restaurants Park-Café und Theater am See, die Lage. Gerade hat das Theater die für den 19. November geplante Veranstaltung mit der Kabarettistin Nicole Jäger auf den nächsten Herbst verschieben müssen. „Wir kriegen die Abstandsregeln mit 1,50 Metern nicht hin“, sagt Haß. Die neue Verordnung ändere für ihn dagegen nicht allzu viel.

Bundesregierung will Heizpilze fördern

Das Fürstenwalder Ordnungsamt wird heute nach 23 Uhr unterwegs sein. „Die Kollegen werden die Kneipen und Bars aufsuchen und die Betreiber freundlich auf die neuen Regeln aufmerksam machen“, kündigt Stadtsprecherin Anne-Gret Trilling an. Ab der nächsten Woche solle es in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kontrollen geben – einschließlich Sanktionierung, wenn Verstöße festgestellt werden.
Die Bundesregierung will den Gastronomen helfen, indem sie die Anschaffung von Heizpilzen fördert. König, Schulz und Haß winken ab. „Das widerspricht doch sehr dem Klimaschutzgedanken“, sagt König. „Wir nutzen lieber die Räume, die wir haben.“ Die Möbel für draußen würden erst im November weggeräumt. Auch Haß kann der Idee wenig abgewinnen: „Ich glaube, da haben wir andere Sorgen.“
Im „Herrlicher“ in Fürstenwalde ist man nicht grundsätzlich gegen die Pilze. „Wir warten aber erst mal ab, ob und wie sie gefördert werden“, sagt Mitarbeiterin Sarah Selchow. Nahezu täglich müsse man sich ja aktuell auf neue Vorgaben einstellen. Wegen der Hygiene-Regeln müssen die Gäste auf den Außenplätzen nun auch ohne wärmende Decken auskommen. „Die müssten wir nach jedem Gast waschen oder desinfizieren, das ist wirtschaftlich nicht möglich“, sagt Selchow.

Herausforderung in der Gastronomie statt Hotellerie

Auch in Amt Odervorland ist das Ausschank-Verbot Thema. Uwe Große, Direktor des Wellness- und Tagungshotels Gut Klostermühle, sagt allerdings: „Bei uns im Restaurant ist vor 23 Uhr Schluss“. Feiern fänden gar keine mehr statt. Und überhaupt, sagt Große, sehe er eine generelle Sperrstunde als geeigneter an.
In der Gaststätte „Zum Erbkrug“ in Jacobsdorf hätten die Gäste von sich aus alle privaten Veranstaltungen abgesagt, berichtet Geschäftsführerin Gabriela Adel. Doch auch wenn die Gaststätte schon um 21 Uhr schließe, gebe es hin und wieder Gäste, die länger säßen. An das Ausschank-Verbot werde sie sich aber natürlich halten. „Es ist nicht schön, aber es muss so sein“, sagt Adel. So könne hoffentlich eine erneute Schließung verhindert werden.

Stornierungen sind „Katastrophe“

„Gott sei Dank haben wir noch Gäste, die sich nicht abschrecken lassen“, sagt Tobias Bischof, Kellner in der Beeskower Kirchenklause. Aber es gebe natürlich Einschnitte, die sich bemerkbar machen: „Durch die Einhaltung der Abstände gibt es weniger Platz für Gäste, Salz und Pfeffer nur bei Nachfrage.“ Und, was sich bemerkbar mache: „Es können nicht mal mehr kleine Feiern ausgerichtet werden.“ Auch Anfragen nach Weihnachtsfeiern würden nur unter Vorbehalt angenommen.
Für „Alwine“, das Landhaus an den Spreewiesen in Raßmannsdorf sind die verschärften Corona-Regeln, wie Fernando Fonsieca sagt, eine Katastrophe: „Alle Berliner, die am Wochenende kommen wollten, haben storniert.“ Übernachten würden nun nur noch Geschäftsleute: „Wir haben zwar ein paar Stammkunden, aber im Winter wird die Luft dünn.“ Alle hätten Angst sich anzustecken. „Ich hoffe, dass das bald wieder besser wird“, so Fernando Fonsieca.
Kerstin Reichert, Inhaberin der Gaststätte „Zur Sonne“ in Tauche ist optimistisch, obwohl es gerade nicht gut läuft: „Es gibt keine Möglichkeit zu planen. Jeden Tag muss man sich informieren, wie hoch der Inzidenz-Wert ist, um sich richtig verhalten zu können.“ Ein einziger Wirrwarr. Auch stünde das Weihnachtsgeschäft, Zulieferer fragen an: „Aber es geht alles nur unter Vorbehalt. Dabei ist der Dezember der umsatzstärkste Monat.“
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