Alles gibt es zum kleinen Preis: Tafeltücher, Gläser aller Größen, Teller, Besteck, Behälter zum Warmhalten, riesengroße und kleinere Töpfe, Serviettenhalter, Zuckerstreuer und, und, und. Am Wochenende (Sonnabend, 3. Dezember und Sonntag, 4. Dezember) öffnet die beliebte Kultureinrichtung noch einmal ihre Glastüren für den Resteverkauf.
Obwohl das Theater am See, das am Montag nun endgültig abschließt, schon vor vier Wochen bewegliches Interieur verkauft hat, ist noch relativ viel übriggeblieben. Elke Schumacher ist erneut fündig geworden und hat den letzten der beliebten Edelstahlleuchter ergattert. „Für fünf Euro“, freut sie sich.

Besucher reagieren mit Trauer auf Schließung

Mirko Schumacher aus Fürstenwalde ist auf der Suche nach weiteren Dekoartikeln. „Letztes Mal habe ich einen Weinballon für 15 Euro gekauft. Heute habe ich noch nichts Passendes entdeckt.“
Wie alle Besucher, die man fragt, reagiert auch er traurig auf die Schließungen in Bad Saarow. Erst das Restaurant „Alte Eichen“, jetzt das Theater am See. „Ich war sehr oft hier, früher in der Bar, auch das Essen war immer gut. Und dann die tolle Lage direkt am See. Ich verstehe nicht, dass die Gemeinde nicht mehr tut, um das Haus zu halten.“

Gläser mit Logo des Theaters am See in Bad Saarow

Whiskey-Gläser mit den dezenten Logos des Hauses hat sich Christian Koch aus Fürstenwalde ausgesucht. „Als Erinnerung“, sagt der 62-Jährige. Er habe hier den 18. Geburtstag seiner Tochter gefeiert, war mit seiner Familie oft zum Essen hier und zu Veranstaltungen, zum letzten Mal am vergangenen Mittwoch. „Ich habe die stille Hoffnung, dass es an diesem schönen Ort bald einen neuen Betreiber gibt“, ist er optimistisch und sagt persönlich Danke bei Restaurantleiterin Ulrike Bauer und ihrem Mann Frank Bondzio, der bis zu seiner Erkrankung Kellner war. Mehr als 20 Jahre hat das Ehepaar im Theater am See gearbeitet. Auch wenn es wieder geöffnet werden soll, gibt es für sie kein Zurück in die Gastronomie. „Ich bin jetzt 55 Jahre. Gastronomie ist sehr stressig“, erklärt Ulrike Bauer das Dilemma, in dem jetzt viele Gastronomiebetriebe stecken.
Brauchen Sie noch eine große Kelle?, fragt Heiko Elgner Elke Schumacher. Der Eventmanager hat erst 2020 im Theater am See in Bad Saarow angefangen, nun ist auch für den Familienvater Schluss.
Brauchen Sie noch eine große Kelle?, fragt Heiko Elgner Elke Schumacher. Der Eventmanager hat erst 2020 im Theater am See in Bad Saarow angefangen, nun ist auch für den Familienvater Schluss.
© Foto: Ruth Buder
Auch Heiko Elgner gehört zu den letzten fünf Mitarbeitern, die noch im Hause sind. Der 41-Jährige hat erst 2020 als Eventmanager angefangen. Nach 16 Jahren Arbeit auf den britischen Kanalinseln folgte der Briesener dem Werberuf aus der Heimat, um einen beruflichen Neuanfang im Kurort zu starten. Der endete schnell, zu schnell für den zweifachen Familienvater. Ab 1. Januar ist er erstmal arbeitslos.
„Die Sachen, die wir hier verkaufen, sind ja teilweise über 20 Jahre alt“, begründet Heiko Elgner den Ausverkauf. Stühle und Tische gehörten nicht dazu. „Die bleiben im Haus.“ Guido Haß, Geschäftsführer der Gastro GmbH, war am Freitag nicht zu sprechen, er befand sich noch im Urlaub.

Ohne Kursaal droht Verlust des Kurort-Status

Corona, Energiekrise, Personalmangel, Missmanagement oder alles zusammen – von allen Seiten gibt es unterschiedliche Begründungen für die Schließung des Theaters am See. Gemeindevertreter reden sich seit Monaten die Köpfe heiß, wie der Imageschaden abgewendet werden kann. Denn gibt es keinen Kursaal mehr, könnte Bad Saarow – neben anderen Faktoren – auch deshalb seinen Kurortstatus verlieren.
Axel Walter, Geschäftsführer der Kur GmbH, die eng mit der sich nun aufzulösenden Gastro GmbH verflochten ist, muss dafür sorgen, dass die Heizung im Theater am See über den Winter wenigstens auf Sparflamme funktioniert. Die Probleme mit der Gastro GmbH sind nicht die einzigen, die er hat, auch die energieintensive Therme muss nach Corona über die neue Krise kommen. Walter sagt, dass es nach der Ausschreibung nur wenige Interessenten für das Theater am See gegeben habe, zwei bis drei seien aber noch im Rennen.
Die Gemeinde müsse klar definieren, welchen Anspruch sie an das Haus habe und wie sie finanziell unterstützen könne. Dann ließe sich auch ein klares Konzept für die Zukunft erarbeiten. „Mein Ziel ist es, zu Ostern das Theater am See wieder in Betrieb zu haben.“