Die Menschen, die in den vergangenen Jahren am Lärchengrund ihre Häuser gebaut haben, befürchten eine ganze Reihe von Nachteilen, wenn die Regionalbahn 35 ab dem Jahr 2022 aus Fürstenwalde nicht nur bis Bad Saarow-Klinikum fährt, sondern noch eine Station weiter bis nach Pieskow.
Denn der Bahndamm, auf dem auch früher Züge fuhren und der inklusive Schotterbett noch existiert, führt direkt hinter ihren Grundstücken vorbei. Die Anwohner fürchten um ihre Privatsphäre, wenn ihre Grundstücke von den Fahrgästen im Triebwagen eingesehen werden können, und um die Sicherheit ihrer Kinder. Außerdem treibt sie die Sorge um vor Rissen in der Bausubstanz, vor einem Wertverlust ihrer Immobilien und vor langfristigen Gesundheitsschäden durch eine Vibrations- und Lärmbelastung, die von den vorbeifahrenden Zügen ausgehe.
Das alles steht in einem fünfseitigen Fragenkatalog, den die Anwohner den Gemeindevertretern und der Scharmützelsee-Amtsverwaltung bereits vor der Sitzung übermittelt hatten. Am Montagabend trugen mehrere Lärchengrund-Bewohner in der Einwohnerfragestunde auch noch mündlich ihre Sichtweise vor. Sie zweifelten dabei auch an, inwieweit überhaupt ein Bedarf für die Verlängerung der Strecke vorhanden sei. „Wenn ich mit der Bahn bis zum Klinikum fahre, sitzen meist nur sehr wenige Fahrgäste darin“, sagte Martin Ostermann. Die große Mehrzahl der Passagiere aus Fürstenwalde verlasse den Triebwagen bereits am Bahnhof Bad Saarow.
Im Detail wurden die Befürchtungen am Montag nicht weiter erörtert. Bürgermeisterin Anke Hirschmann (Demokratie direkt) verwies stattdessen auf eine Einwohnerversammlung, die im November zu diesem Thema einberufen werde. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest. Zu dieser Veranstaltung eingeladen werde auch ein Vertreter des privaten Eigentümers der Bahnstrecke, der Scharmützelseebahn GmbH aus Zossen. Publik geworden war der Plan für die Streckenverlängerung, als die Landesregierung im September ihren neuen Landesnahverkehrsplan vorstellte.
Die Bürgermeisterin blieb unterdessen bei ihrer Haltung, die Verlängerung sei uneingeschränkt zu begrüßen. Von ihr profitierten Gäste der Jugendherberge und der Ferienhaussiedlung Schlosspark, aber auch Bad Saarower, die zur Arbeit nach Berlin pendeln, sagte sie. Zudem verwies sie darauf, dass die Bahnstrecke nach Pieskow zwar seit langem nicht mehr betrieben werde, als Bahnstrecke aber nie entwidmet worden sei – im Gegensatz zum weiteren früheren Streckenabschnitt bis nach Beeskow.
Aus Reihen der Gemeindevertreter positionierte sich Olaf Tannhäuser (Linke) als Befürworter der Verlängerung. „Ich halte diese Pläne der Bahn für gut“, sagte er. Von Seiten der Verwaltung verwies Ordnungamtsleiter Jürgen Knuth darauf, die Gemeinde sei angesichts des privaten Eigentümers der Strecke der falsche Adressat für Fragen der Anwohner. Amtsdirektor Christian Riecke nahm an der Diskussion nicht teil; er erklärte sich für befangen.