Je näher die gelbe Baumaschine kommt, um so mehr ist die Erschütterung des Bodens zu spüren. Es wird akustisch begleitet von einem dumpfen Schnaufen. Der Arbeitsablauf, der sich spiegelverkehrt auf beiden Gleisseiten abspielt, ist gut zu erkennen. Zwei Räder haken die Schiene am oberen Profilrand unter, heben sie ein Stück in die Höhe. Acht Stangen - vier vor und vier hinter dem Strang - bohren sich zwischen den Schwellen vibrierend in den Schotter. So wird das Bett neu verdichtet. Der Stopfmaschine, wie Bahnbauüberwacher Uwe Gaulke den Koloss nennt, folgt ein Schotterpflug. Das Fahrzeug schiebt vor und neben sich das Geröll zusammen und fegt die Strecke hinter sich sauber. Während das Stopfen in einem Durchgang erledigt ist, muss die Nachhut mehrfach ran.
Auf einem Streckenabschnitt von rund zwei Kilometern Länge ist am Dienstag und Mittwoch die sogenannte "Durcharbeitung" erfolgt. Wie Gaulke erläutert, ist solch eine Instandhaltung turnusmäßig notwendig. Schließlich sei das Erdreich durch den Zugverkehr immer in Bewegung, kommt am Bahnübergang noch der Autoverkehr hinzu. "Hier ist es so alle sechs, sieben Jahre notwendig", sagt Gaulke. Bevor die Stopfmaschine loslegen kann, wird das Höhenniveau auf dem jeweiligen Gleisabschnitt vermessen. Moderne Technik hilft, exaktes Zahlenmaterial zusammen zu tragen. Die von drei Kreiselkompassen erfassten Daten ergeben eine eigenes Koordinatensystem, das wiederum die Lage der Scheinen genau erfasst. Mit den Informationen wird die Anlage gesteuert, die die Schienen neu ausrichtet. Ab einer Abweichung von drei Millimetern zum vorgeschrieben Maß, müsse gehandelt werden, weiß Gaulke. Der Reisenden spüre diese Unebenheiten minimal. "Sind es aber gar drei Zentimeter, wackelt schon mal der Kaffeebecher."
Um alles wieder ins Lot zubringen, liegen 250 Tonnen Schotter für jedes der beiden Gleise zum Verfüllen bereit. Am Bahnübergang selbst müssen am Ende noch die Straßenbauer ran. Zudem wird der Abstand vom Gleis zur Oberleitungen kontrolliert. "Die Sperrung war nur in den Ferien möglich, um den Busverkehr in der Schulzeit nicht zu stören", erläutert Gaulke. Heute Morgen sollte der Verkehr wieder ungestört rollen.
Übrigens: Wenn an einem Gleisabschnitt gearbeitet wird, gibt die Deutsche Bahn auch eine Umweltbaubegleitung in Auftrag. Und so stattete Stefan Braatz vom Planungsbüro Förster Berlin dem Projekt einen Besuch ab. Der Naturschutzplaner wollte in den geöffneten Kabelkanälen nach Eidechsen schauen. "Seit Jahren wird besonderes Augenmerk auf den Artenschutz gelegt", sagte er. Entlang der Strecke werden Steinhaufen liegen gelassen, einzelne Flächen frei gehalten, um Lebensräume für Tiere zu schaffen.