Die Anwohner der künftigen Bahnlinie übten wie zuletzt bereits in der Gemeindevertretung harte Kritik an der Verlängerung der Strecke und deren Begleitumständen. Insgesamt war die Meinungslage im Bürger- und Vereinshaus aber zweigeteilt. In der gut eineinhalbstündigen Debatte meldeten sich auch mehrere Bad Saarower zu Wort, die das Vorhaben des Landes, die Regionalbahnlinie 35 ab 2022 vom derzeitigen Endpunkt Klinikum um 1300 Meter bis in den Süden von Pieskow zu verlängern, begrüßten. „Ich freue mich, wenn ich von Pieskow mit der Bahn nach Fürstenwalde fahren kann“, sagte Hannelore Kramer. Aus Altersgründen fahre sie nicht mehr Auto.
Die Lärchengrund-Bewohner hingegen zweifelten, ob überhaupt eine nennenswerte Nachfrage vorhanden sei. Sie berichteten, sie hätten am Haltepunkt Klinikum Passagiere gezählt und mit dem Zugpersonal gesprochen. Demnach seien die Bahnen am Klinikum im Schnitt von 3,75 Menschen pro Stunde genutzt worden. Sie sprachen sich dafür aus, statt einer Bahn-Verlängerung den Bus-Fahrplan zu verbessern und in der Pieskower Straße auf Höhe des Wohngebietes eine Haltestelle einzurichten. Dafür sprach sich auch Ralf Artelt vom Bauamt des Amtes Scharmützelsee aus; der Busverkehr liegt allerdings in Zuständigkeit des Landkreises Oder-Spree.
Weitere Argumente für die Streckenverlängerung bezogen sich auf den Tourismus. Bürgermeisterin Hirschmann sagte, mit der Streckenverlängerung erhielten die Jugendherberge, die Ferienhaussiedlung Schlosspark und das geplante Gesundheitshotel einen besseren Anschluss. Gemeindevertreter Erhard Radzimanowski sprach von einem Bahn-Ausflugsverkehr aus Richtung Berlin, wenn der von Pieskow aus geplante Radweg nach Beeskow fertig sei.
Die Menschen aus dem Lärchengrund hingegen erhoben Vorwürfe gegen die Bürgermeisterin, die Verwaltung und das Berliner Unternehmen BBF, von dem sie ihre Grundstücke erworben hatten. Auf Nachfragen vor der Kaufentscheidung habe es von allen Seiten stets geheißen, eine Verlängerung der Regionalbahn sei nicht geplant. Nun befürchten vor allem diejenigen, die direkt am künftigen Gleis gebaut haben, Lärm und einen Verlust an Privatsphäre, da ihre Grundstücke von der Bahn aus einsehbar sind.
Jörn Schneider, Geschäftsführer der Scharmützelseebahn GmbH, der die Strecke gehört, brachte als Möglichkeit ins Spiel, zwischen Gleis und Grundstücken Vegetation anzupflanzen. Nach einigen Jahren seien Blicke aus den vorbeifahrenden Bahnen in die Gärten dann nicht mehr möglich. Schneider kritisierte aber auch, einige Anwohner hätten ihre Grundstücke eigenmächtig auf Flächen der Scharmützelseebahn GmbH erweitert und lagerten Kompost auf dem Bahndamm.
Zum Thema Lärm prognostizierte Artelt, die gesetzlichen Grenzwerte würden vermutlich eingehalten. Dass bei der Erstellung der Bebauungspläne für das Neubaugebiet kein „grüner Riegel“ mit Bäumen zwischen Häusern und Bahn eingeplant worden sei, nannte er im Nachhinein einen „Fehler“. Als die ersten Bebauungspläne entstanden, arbeitete Artelt noch nicht für das Amt Scharmützelsee. Wenn, wie geplant, ein weiteres Baugebiet südlich des Lärchengrundes entwickelt werde, werde man diesen Fehler nicht wiederholen, sondern Baumbestand belassen.