Mohammed Harami ist am Sonntag im Alter von 68 Jahren gestorben. Am Mittwoch wurde er nach muslimischem Brauch auf dem Fürstenwalder Friedhof beigesetzt. Harami war das Oberhaupt von einer der drei ersten arabischen Flüchtlingsfamilien, die 1990, also unmittelbar nach der Wende, nach Fürstenwalde gekommen sind. Seitdem war er ein wichtiger Anlaufpunkt auch für Neuankömmlinge, hat sie zum Beispiel bei Behördengängen unterstützt.
Inzwischen gehören mehr als 500 Menschen zur arabischen Community in der Stadt. Sie sind fester Bestandteil des kulturellen und geschäftlichen Lebens. Dementsprechend groß war die Anteilnahme für die Familie des Verstorbenen. Am Mittwoch schob sich nach dem gemeinsamen Mittagsgebet in der Dar al Salam Moschee in der Fürstenwalder Innenstadt eine lange Autokolonne zum wenige Kilometer entfernten Friedhof der Stadt.
Fadel Harami, einer der Söhne des Verstorbenen, erklärt die Abläufe in der muslimischen Kultur nach dem Tod eines geliebten Menschen. Und er erzählt von seinem Vater, der als kleiner Junge mit seiner Familie aus der Heimat im heutigen Israel vertrieben worden sei und in einem Flüchtlingslager im Libanon aufwuchs und eine Familie gründete.
1990, als Fadel Harami zehn Jahre alt war, beschloss man, den Libanon zu verlassen. "Da unten kann man nichts machen. Keine Arbeit, keine Schule", sagt der Sohn rückblickend. Der Start in Fürstenwalde sei von Heimweh geprägt gewesen. Aber nach und nach fassten sie Fuß, bauten sich etwas auf. "Bis wir 1994 kurz vor der Abschiebung standen. Die Tickets waren quasi schon fertig ausgestellt", erinnert sich Fadel Harami. Aber dann sei im damaligen Flüchtlingswohnheim auf einmal die Tür aufgegangen und Regine Hildebrandt kam herein. Brandenburgs damalige SPD-Sozialministerin, bekannt für ihre zupackende Art, habe sich persönlich die Unterlagen der Familie angeschaut und schließlich das Bleiberecht durchgesetzt. "Drei Jahre später wurden wir eingebürgert", erzählt Fadel Harami, der in einem Fürstenwalder Steakhaus arbeitet und inzwischen eine eigene Familie hat.
Sein Vater habe in seinem Berufsleben unter anderem bei dem Entsorgungsunternehmen Alba gearbeitet, erzählt der Sohn. 2006 sei er an Krebs erkrankt, wurde geheilt, aber in den vergangenen Jahren sei sein Herz immer schwächer geworden. Das habe nun auch zu seinem Tod geführt. Sein größter Wunsch, noch einmal die Heimat im heutigen Israel besuchen zu können, sei unerfüllt geblieben.
Als Mohammed Harami am Sonntag gegen 14 Uhr starb, seien noch an dem Tag sehr viele Menschen zu ihm nach Hause gekommen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen und der Familie beizustehen. So sieht es die muslimische Kultur vor. Vorgeschrieben ist eigentlich auch eine Beisetzung innerhalb von 24 Stunden. Aber hier spielt das deutsche Recht nicht mit.
Waschen als Teil der Zeremonie
Zweiter Teil der Abschiedszeremonie ist das Waschen des Toten durch die Angehörigen. Anschließend haben Fadel Harami und weitere Familienmitglieder ebenfalls am Dienstag die Leiche des Vaters in den Kafan gewickelt, das Leichentuch.
Auch ein Sarg ist entgegen der muslimischen Bräuche zunächst nötig. Für Mohammed Harami ist es ein schlichtes Modell aus hellem Holz, bedeckt mit der palästinensischen Flagge. So wurde am Mittwoch zunächst in der Moschee Abschied genommen. Dann fuhr die Autokolonne mit dem Leichenwagen an der Spitze bis zum Friedhof, auf dem es eine Abteilung für muslimische Bestattungen gibt.
In das Grab hinabgelassen wurde die mit dem Kafan bekleidete Leiche dann ohne Sarg. Hier macht das strenge deutsche Bestattungsrecht Zugeständnisse. Das Hinablassen der Leiche wird von den Teilnehmern der Zeremonie in engem Kontakt begleitet. Dann wird der Tote mit einer Holztafel bedeckt. Im Anschluss wandern die Schaufeln von Hand zu Hand, bis mit kräftigen Würfen die sehr tiefe Grube komplett zugeschüttet ist. "Ganz am Ende wünschen wir dem Toten noch etwas Gutes. Wir sind sicher, dass er es hört", sagt Fadel Harami.

In Richtung nach Mekka auf Allah bezogen


Die islamische oder muslimische Bestattung besteht aus einem sarglosen religiösen Begräbnis, das in der Ausrichtung nach Mekka auf Allah bezogen ist. Im Islam gibt es genaue Regeln für die Sterbebegleitung. Die Gebete, die rituelle Waschung des Leichnams und die Beerdigung sind festgeschrieben. Der Tote soll innerhalb eines Tages begraben werden. Heute werden dafür meistens hygienische Gründe genannt. Der ursprüngliche Sinn für diese Eile liegt darin, dass der Todesengel die Seele nach dem Tode zum Himmel geleitet, damit sie dort eine Art Zwischengericht erfahren und anschließend wieder zum Körper ins Grab zurückzukehren kann. mat