Ulli Klan, 47, und seine Frau hatten es sich mit Bier und Sekt im Saal bequem gemacht. Die Berliner kennen das Duo, das unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde, aus dem Radio. "Wir wollen uns hier Unterhalten lassen", sagt Ulli Klan. Rund 100 weitere Gäste wollen das auch.
Doch ohne Vertrag läuft auch in der Kultur wenig. "Sie müssen den neuen allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen, bevor wir anfangen können", betet Pigor den Gästen ein ums andere Mal mit sanfter Computersingsangstimme vor. Lachen und Klatschen wertet er als Zustimmung. Zum Dank bekommen die Gäste Kekse (Cookies), die sie in ihren Magen (Betriebssystem) integrieren dürfen. Überhaupt wird das Publikum einbezogen. "Wann hat es den letzten Krieg zwischen Fürstenwalde und Erkner gegeben?", erkundigte sich Pigor. Gab es nicht. Na bitte! "Kommunale Wir-Gruppen haben ein geringeres Gewaltpotenzial als nationale", lautet eine seiner Thesen.
Gewaltenteilung, Politik, Religion, Bars und Bärte - singend, tanzend, stampfend, kurzweilig geht es durch den Abend. Freudig nehmen die Künstler alles aufs Korn. "Gott ist tot, Gott ist tot und Mohammed ist vermutlich auch tot", singt Pigor und tanzt eine Art Hampelmann. "Da sehen die Gläubigen mal, wie es Ungläubigen im Gospelkonzert geht", erklärt er.
Dem Publikum gefällt's. "Sie äußern sich ziemlich direkt, auch zu Dingen, zu denen sich viele Leute nicht mehr trauen, etwas zu sagen, in letzter Zeit. Und die Musik ist auch toll", sagt Jana Strohmeyer, 42, aus Fürstenwalde. Und Jürgen Strauß, 69, aus Erkner, fühlt sich an ein Filmzitat erinnert: "Es ist Kunst und trotzdem schön." Es ist sein erster Besuch in der Kufa. Er will wiederkommen.