Eine ähnliche Erfahrung hat Wolfram Landerer von der gleichnamigen Angelagentur gemacht. "Das Geld war einfach da", sagt er. Aber auch er sei schnell gewesen, da man als Einzelhändler von der Hand in den Mund lebe. Während Landerers Kunden zunächst nur telefonisch bestellen und die Ware im Laden abholen konnten, sind die Türen jetzt wieder geöffnet. "Ich habe eine Sondergenehmigung vom Land", erklärt er. Als die Stadtverwaltung das Geschäft geschlossen hatte, habe er diese beantragt, weil er Tierfutter und Reparaturen anbietet.
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Miet-Stundung als Option

Im Rathauscenter sind etliche Geschäfte geschlossen – neben den Einnahmeausfällen lasten laufende Kosten wie Mietzahlungen auf den Inhabern. "Drei, vier Mieter sind gleich an uns herangetreten", sagt Center-Manager Michael Borrmann. Im persönlichen Gespräch laufe es meist auf eine Stundung der Miete und "eventuell ergänzende Maßnahmen des Staates" hinaus. Um Einnahmeverluste auszugleichen, müsse auch er dann Gespräche mit Banken führen, sagt Borrmann. Er vermietet das Center für die KapHag Renditefonds 48 Fürstenwalde und Wuppertal GmbH & Co. KG.
Bei der Wohnungsbaugenossenschaft Fürstenwalde stelle sich die Frage nach Hilfen für Gewerbemieter nicht. Es gebe nur zwei – einen Getränkehandel und ein Lager, sagte eine Mitarbeiterin. Die Wohnungswirtschaft Fürstenwalde GmbH könne noch keine konkreten Hilfsangebote benennen, teilte Kathrin Kelling, Assistentin der Geschäftsführung, mit.
Bei einigen Geschäften ist trotz Schließung zu tun. Krisenzeit ist Lesezeit – stellt etwa Diana Wolff, Inhaberin der in Fürstenwalde und Erkner ansässigen gleichnamigen Buchhandlung, fest. Bestseller seien gefragt, aber auch Klassiker wie "Die Pest" von Albert Camus. Zu den Kunden kommt die Literatur nach Bestellung übers Internet oder via Telefon. "So bleiben wir präsent", sagt die Buchhändlerin. Sie hofft, sobald wie möglich wieder öffnen zu können. Verkauft werde dann mit Handschuhen, auch Schutzwände seien schon bestellt. Weil es bis dahin weitergehen muss, hat Wolff Soforthilfe beantragt und sie wisse auch, dass Kollegen entsprechende Zahlungen schon erhalten haben. "Aber bei W wie Wolff sind sie wohl noch nicht angekommen."
Das Buchgeschäft ist in Erkner Mieter der Wohnungsgesellschaft WGE. "Wir wollen unsere Gewerbemieter halten. Das hat im Moment oberste Priorität", betont Geschäftsführerin Susanne Branding. An die Händler seien noch im März Briefe gegangen. Darin wird unter anderem auf die Homepage der Industrie- und Handelskammer verwiesen, auf der eine Linksammlung zu Corona-Hilfen steht. Die WGE bietet außerdem die Stundung der Kaltmieten an und stellt in Aussicht, dass bei nachgewiesenen Notlagen auch Teil-Erlasse ausstehender Zahlungen in Betracht kommen könnten. Auch im Müggelpark Gosen, wo von 30 Geschäften rund 20 geschlossen sind, wird Stundung gewährt.

Wenig negative Rückmeldungen

"Wir haben kein einheitliches Stimmungsbild zu den Soforthilfen", sagt IHK-Ostbrandenburg-Sprecher Robert Kaltschmidt. Es gebe aber wenig negative Rückmeldungen.
Der Trägerverein des Eine-Welt-Ladens in Storkow wartet indes noch auf die Finanzspritze, berichtet Elisabeth Klapetz. Bereits vor 14 Tagen sei der Antrag für Kleinstunternehmer gestellt worden. "Wir hoffen, dass auch wir zu den Glücklichen gehören", sagt Klapetz. Der Laden musste schließen, da die Ehrenamtlichen, die ihn betreiben, aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören.
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Hilfen gegen Pandemie-Folgen


Auf Angebote weist der Landtagsabgeordnete und Schöneicher Gemeindevertreter Philip Zeschmann (Freie Wähler) hin:

"Soforthilfe Corona" lautet das Stichwort für eine Nothilfe zur Liquiditätssicherung von Selbstständigen und kleinen Unternehmen. Ausgegeben wird sie über die Investitions- und Landesbank (https://www.ilb.de/de/wirtschaft/zuschuesse/soforthilfe-corona-brandenburg).

Auch die Aussetzung der Beiträge für Kita und Hort führt er an.

Eine Regelung zur Entlastung der Kommunen stehe noch aus. Die Freien Wähler fordern mit den Linken unter anderem, dass die Kommunen bis 2023 keine ausgeglichenen Haushalte vorlegen müssen. Im Landtag steht für heute ein Gesetzentwurf auf der Tagesordnung, demzufolge Kommunen zeitweise von den Regelungen der Kommunalverfassung abweichen können.

Eine Link-Sammlung bietet die Industrie- und Handelskammer unter www.ihk-ostbrandenburg.de red