"Hier wurde die Mörderin zuerst mit glühenden Zangen angegriffen und zerrissen, und dann mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht. Ihr Körper wurde aufs Rad geflochten, der Kopf auf eine Stange gesteckt (..)".Das grauenvolle Ende der Magd Margarethe Lumpe auf dem Galgenberg am 23. November 1725 wird mehr als hundert Jahre später von Georg Friedrich Gottlob Goltz in seiner Chronik detailliert beschrieben. "Laut Überlieferung war es die letzte Hinrichtung, die es in Fürstenwalde gegeben hat", sagt Museumsleiter Guido Strohfeldt. Dazu passt auch ein Eintrag im Sterberegister im St. Marien Dom. Unter dem 65. Eintrag des Jahres 1725, datiert auf den 23. November, taucht der Name Margarethe Lumpe auf, die für den Mord an ihrer Dienstherrin "aufs Rad geleget" wurde.
Nun sollen anthropologische Untersuchungen eine Verbindung zwischen dem Schicksal Margarethe Lumpes und dem Schädel herstellen, der 1912 bei Abrissarbeiten an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße/Ecke Schweinemarkt gefunden wurde. "Dort stand ein Gebäude, das bis 1835 das Wohnhaus des Henkers war", sagt Strohfeldt. Mehr als 100 Jahre lagerte der Fund im Magazin, seit der Eröffnung des Brauereimuseums 2014 wurde er in einer Vitrine präsentiert, als Ersatz für den aufmüpfigen Steinhöfeler Gastwirt Friedrich Kersten, dessen Gebeine vom Landesmuseum bislang nicht herausgegeben wurden.
Der Schädel weist merkwürdige Verletzungen auf. "Die Kerbe an der Schädelnaht könnte auf einen Hieb hindeuten, das viereckige Loch dahinter auf einen Nagel, der eingeschlagen wurde, um den abgeschlagenen Kopf in der Öffentlichkeit zu präsentieren", erklärt Marita Genesis. Die Archäologin und Dozentin an der Europa-Universität Viadrina führte im Sommer vergangenen Jahres umfangreiche Ausgrabungen auf dem Fürstenwalder Galgenberg durch. Doch die Ergebnisse blieben hinter ihren Erwartungen zurück. Zwar wurden zwei Pfosten des Galgens entdeckt, jedoch keine Skelette, Knochen oder andere Fundstücke. "Der Berg wurde über Dekaden hinweg zum Sandabbau genutzt und die ehemals vorhandenen archäologischen Hinterlassenschaften dabei vernichtet", bedauert Marita Genesis. Der Schädel aus dem Brauereimuseum könne, so hofft sie, nun doch noch Hinweise auf die Hinrichtungspraxis in Fürstenwalde geben. Derzeit wird er in einem Labor in Berlin anthropologisch untersucht. "Erste Hinweise deuten darauf hin, dass er von einer Frau stammt, die zum Todeszeitpunkt zwischen 20 und 40 Jahre alt gewesen ist", sagt die Archäologin. Dennoch gebe es noch viele Ungewissheiten, die es bei weiteren Untersuchungen zu klären gelte.
Auch Guido Strohfeldt hofft, dass das Geheimnis des Schädels wenigsten ein Stück weit gelüftet wird. Stammen die Verletzungen von einer Hinrichtung? Wie kam er an seinen Fundort? War er gar ein Mitbringsel des Henkers vom Galgenberg? Diese Fragen können vielleicht in Zukunft beantwortet werden.
Dass der Schädel bis heute bewahrt wurde, ist übrigens den im Jahre 1912 noch jungen Heimatkundevereinen der Stadt zu verdanken. 1890 gab es sie noch nicht, so dass drei Schädel, die in dem Jahr bei Bauarbeiten in der Gartenstraße gefunden wurden, zwar in der Fürstenwalder Zeitung Erwähnung fanden, seitdem jedoch verschwunden sind.