"Hier wurde die Mörderin zuerst mit glühenden Zangen angegriffen und zerrissen, und dann mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht. Ihr Körper wurde aufs Rad geflochten, der Kopf auf eine Stange gesteckt (..)" - mit diesen Worten beschreibt Georg Friedrich Gottlob Goltz 1837 in seiner Chronik die Vollstreckung des Todesurteils gegen die Raubmörderin Margarethe Lumpe auf dem Fürstenwalder Galgenberg am 23. November 1725. "Diese Hinrichtung war die letzte, die es laut Überlieferung in Fürstenwalde gegeben hat", sagt Museumsleiter Guido Strohfeldt.
Beschreibungen wie diese haben das Interesse der Archäologin und Historikerin Marita Genesis geweckt. Die Dozentin an der Frankfurter Europa-Universität Viadrina beschäftigt sich seit sieben Jahren mit Ausgrabungen an mittelalterlichen und neuzeitlichen Richtstätten. "Ich erforsche die Anwendung der Todesstrafe, den Umgang mit den Hingerichteten und die differenzierte Bauweise von Galgen und Schafott", berichtet die Expertin. Im vergangenen Jahr grub sie, unterstützt von ihren Studenten, auf dem Galgenhügel von Bad Belzig im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Mit Erfolg: Die gefundenen Skelette erweiterten das Wissen um die Ausführung der Todesstrafe, ihre Fundlage erlaubte es, Vermutungen darüber anzustellen, wie mit den Körpern der Hingerichteten umgegangen wurde. "So war es wohl auch in Belzig üblich, die Verurteilten am Galgen lange Zeit hängen zu lassen oder aber auf dem Rad Wind und Wetter und damit der völligen Verwesung zu überlassen", sagt Marita Genesis.
Ein weiteres Referenzprojekt für Richtstätten im Land Brandenburg soll der Galgenberg in Fürstenwalde werden. "Die Voraussetzungen sind traumhaft", schwärmt Marita Genesis. Überlieferungen deuten daraufhin, dass es sich um eine über längere Zeit genutzte Hinrichtungsstätte handelt. Laut Guido Strohfeldt werden in den historischen Quellen noch zwei weitere Hinrichtungen erwähnt: Die Verbrennung Dorothea von Reppens als Hexe im Jahre 1566 und die des Juden Davids in den 1340-er Jahren, als die Pest nach Mitteleuropa kam. Bürgermeister Jacob Lotichius erwähnt in seinen Aufzeichnungen den Bau eines "neuen Halsgerichtes" im Oktober 1677. Zudem gibt es Pläne und Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, auf denen der Galgenberg und die Hinrichtungsanlage zu sehen sind. "Wir haben eine klare Vorstellung von der Richtstätte. Es handelt sich um einen dreischläfrigen Galgen, dessen Säulen ohne Unterbau im Boden verankert waren", sagt Marita Genesis. Sie geht davon aus, dass auf dem bis heute unbebauten Gelände Überreste der Anlage, aber auch Skelette gefunden werden. Zu ihrem Projekt gehört auch die anthropologische Untersuchung von Knochenfunden, da Spuren von Gewalt Hinweise auf die jeweilige Todesstrafe geben können.
Die Kosten für Ausgrabung und Auswertung werden auf 14200 Euro geschätzt. Für die Finanzierung geht die Archäologin mit dem Crowdfunding neue Wege: Sie beschreibt ihr Projekt im Internet und bittet um Spenden. "Es ist eine andere Form der Wissenschaftsfinanzierung", gibt sie zu, doch das Interesse sei überwältigend. "Dass die Hingerichteten noch immer im Boden ruhen, ist etwas Besonderes. Es berührt die Menschen, weil es zeigt, dass Geschichte sich vor unserer Haustür abgespielt und einen direkten Bezug zu uns hat", sagt Marita Genesis.
Weitere Informationen unter www.sciencestarter.de.