Ginge es nach dem Wunsch der Schüler, sollte es viel mehr Freiheiten in der Fächerwahl beim Abitur geben. "Ich musste Biologie nehmen, da ich keine andere Wahl hatte", empört sich eine der angehenden Abiturienten. Es ist neu in diesem Schuljahr, dass sie wie auch Tausende andere in Brandenburg ihr Abitur mit sechs Schwerpunktfächern absolvieren wird, nicht wie bisher mit nur vier. Das erzürnt die Jugendliche, sieht sie darin einen Nachteil für ihre spätere beruflich Laufbahn.
Die Diskussion ist entfacht. Mitschüler stimmen ihr zu, sehen in der Art der Organisation einen übertriebenen Leistungsdruck, der vermeidbar gewesen wäre, wenn man am Abitur nach 13 Schuljahren festgehalten hätte. "Die Belastung ist so stark, dass dadurch Freizeitaktivitäten kaum mehr möglich sind", argumentiert ein anderes Mädchen. "Manchmal frage ich mich, warum ich bestimmte Dinge in der Schule überhaupt lerne. Was hat das mit Allgemeinbildung zu tun?", fragt eine andere an die Bildungsministerin gerichtet. Martina Münch (SPD) zeigt sich einsichtig. Sie könne verstehen, dass die Schüler mit der Situation noch unzufrieden sind. "Irgendjemand ist immer der erste", entgegnet sie den Teenagern. "Das spielt sich aber bei den Folgejahrgängen ein", versichert sie. Einige Jugendliche rollen die Augen.
Dass Mathematik als Pflichtfach in der Abiturprüfung gilt, empfinden vor allem einige Mädchen als Zumutung. "Ich habe ganz andere Interessen, die ich gern in der Schule schon vertiefen würde wollen", meint eine Abiturientin. Eine ihrer Mitschülerinnen fügt hinzu: "Man müsste im Unterricht nicht nur den Stoff abhandeln, sondern auch vermittelt bekommen, in welchen Berufsfeldern dieser tatsächlich angewandt wird." Dem hat Martina Münch nichts hinzufügen. Sie stimmt der Schülerin zu und spricht sich für eine intensivere Beratung in punkto Berufsorientierung aus. "Daran müssen wir künftig arbeiten", verspricht sie. Die Runde beruhigt sich, vereinzeltes Kopfnicken in den hinteren Reihen.
Auch das Thema Inklusion beschäftigt die Schüler. "Wie soll das funktionieren, wenn es an Personal mangelt?", stellt ein Junge provokant die Frage. Die Ministerin faltet die Hände und senkt den Kopf. "Es freut mich, dass wir auch auf dieses Thema zu sprechen kommen. Dafür mache ich mich ja schon seit langem stark", sagt die siebenfache Mutter diplomatisch. Entscheidend sei, dass man sich stets bewusst mache, welche Vorteile Inklusion für alle Beteiligten bringe. "Das bedeutet ja nicht nur eine Förderung der schwachen oder körperlich oder geistlich beeinträchtigten Schüler, sondern auch der Hochbegabten", argumentiert sie. Jeder von ihnen leiste einen Beitrag fürs soziale Gefüge im Klassenverband. "Aufeinander Rücksicht Nehmen, voneinander Lernen sind dabei Punkte, die allen etwas bringen", ist sie sicher. Mit den zusätzlichen zehn Millionen Euro vom Land für Bildungsaufgaben sehe man sich auch in der Lage, für entsprechendes Personal zu sorgen.
Martina Münch gibt sich in der Diskussion einsichtig und gefühlvoll. Obwohl die 50 Schüler, die zu diesem jährlich stattfindenden Politikergespräch gekommen sind, durch manche Neuerungen für das Abitur 2014 aufgebracht sind, gibt sich die Ministerin zuversichtlich. "Ich bin gespannt auf Ihr Abitur und hoffe, dass Sie uns nicht im Stich lassen", wirft sie ein. Die Schüler lachen verhalten. Denn ganz so optimistisch wie Martina Münch blicken sie ihrem Schulabschluss in diesem Jahr offenbar nicht entgegen.
Am Sonnabend findet ab 10 Uhr ein Tag der offenen Tür am Bernhardinum statt.