In der mehr als 100 Jahre alten Nordkammer der Kersdorfer Schleuse herrscht Ebbe. Sie ist so gut wie ausgetrocknet, nur in der Mitte glänzt ein trübes Rinnsal, bedeckt mit grüner Entegrütze. Vor wenigen Tagen wurde die Kammer „gelenzt“, so nennt es Jörn Ahrend, Projektleiter der ausführenden Baufirmen, im Fachjargon. Das bedeutet, dass aus der Kammer das Wasser abgepumpt wurde. Am westlichen Ende der Schleuse, dort, wo der Wasserstand tiefer ist, hält ein sogenannter Nadelbalkenverschluss das Wasser zurück. „Der alte Massivbau wird im September bis zwei Meter abgebrochen und danach neu in Stahlbeton wiederhergestellt“, so Ahrend weiter.
Direkt an den Altbestand schließt sich in Richtung Osten bereits der Erweiterungsbau an. In Spundwandbauweise wird die Nordkammer der Schleuse von 57  auf 115 Meter verlängert. Eine Spundbohle schmiegt sich an die andere. 13 Meter tief wurden sie in den Grund des Oder-Spree-Kanals versenkt. Zurzeit werden Pfähle in den Boden gebohrt, die später dann die Unterwasser-Betonsohle gegen Auftrieb sichern sollen. Wenn alle Pfähle verankert sind, kann der neue Spundwandkasten von Tauchern mit Unterwasserbeton ausgekleidet werden. Ist der Beton ausgehärtet, kann auch das neu entstandenen Becken gelenzt, also ausgepumpt werden. Am Ende der erweiterten Kammer entsteht eine neue Schleusentor-Konstruktion, das sogenannte Oberhaupt, ebenfalls aus Stahlbeton, mit einem stählernen Schleusentor.
Das alles soll laut Ahrend noch in diesem Jahr erfolgen. 2011 soll dann der Massivbau fertiggestellt und die Ausstattung, von Toren über Ampeln bis hin zu Sprechanlagen, eingebaut werden. „Zurzeit liegen wir gut im Zeitplan“, so der Projektleiter. Geplant ist eine Bauzeit von zwei Jahren, hinzu kommen sechs Monate Probebetrieb.
Offizieller Baubeginn war am 22. April mit dem ersten Rammschlag, bei dem die erste Spundbohle gesetzt wurde. Die Nordkammer ist jedoch bereits seit dem 16.  Februar für den Schiffsverkehr gesperrt, genutzt wird seitdem die Südkammer. Diese wird stillgelegt, sobald die neue Nordkammer in Betrieb genommen werden kann. Die Kosten für das Projekt, etwa 14  Millionen Euro, trägt der Bund. Durch die Verlängerung der Nordkammer verkürzt sich die Schleusungszeit für die modernen Schubverbände enorm. Ziel ist es, die Region an das internationale Binnenwasserstraßennetz anzuschließen und die Verkehrszahlen zu steigern.