Rote Wangen, piepsige Stimmen, wissbegierige Kinder - im Bad Saarower Naturkindergarten verbringen Ein- bis Sechsjährige die meiste Zeit an der frischen Luft. Am neuen Standort in der Platanenstraße finden sie optimale Bedingungen vor.
Wenn Ulrike Scholz mit den Kindern rein geht, dann nur um sich aufzuwärmen und zu essen. "Die meiste Zeit verbringen wir schon draußen", sagt die Mit-Gründerin des Naturkindergartens "Wald- und Wiesenhopser". So sieht es auch die Philosophie der Einrichtung vor. Erlebnisse in der Natur, die Entdeckung von Flora und Fauna, wenig Spielzeug, dafür Förderung von Kreativität und Bewegung an der frischen Luft - das sind die Grundsätze.
Dabei haben die Mädchen und Jungen seit einigen Wochen ein schickes Haus - eine neue, dreigeschossige, unterkellerte Villa im Landhausstil. Mitte Dezember zog der Kindergarten von Seestraße 9a in die Platanenstraße 14b um. Rund zwei Jahre dauerten die Arbeiten an dem Neubau, inklusive Planungen und allen Anträgen.
Rund eine Million Euro flossen in das Gebäude - davon 179000 Euro Fördermittel. "Es ist schön, dass wir jetzt alle vereint sind", freut sich Ulrike Scholz. Denn nicht nur die Kinder aus der Seestraße, sondern auch die 14 Mädchen und Jungen aus der ehemaligen Kita "Sonnenschein" sind in den Neubau gezogen. Ulrike Scholz und Claudia Bostelmann, die die "Wald- und Wiesenhopser" 2009 als kleine Kita in privater Trägerschaft gründeten, hatten das Haus "Sonnenschein" später mit übernommen.
"Der Standort des Neubaus ist für uns optimal. Nur 200 Meter sind es bis zum See", verweist Ulrike Scholz, die von den Kindern einfach nur "Ulli" genannt wird, auf einen Vorteil des neuen Hauses.
Gerade kommt eine Gruppe dick eingepackter Kinder durchs Hoftor. "Guck mal Ulli, die sind für dich", sagt ein kleines Mädchen, deren graue Wollmütze etwas ins Gesicht gerutscht ist. Die gelernte Kunstpädagogin kniet nieder, bedankt sich und bittet die Kleine, die Stöcke mit nach drinnen zu nehmen, wo sie vorerst aufbewahrt werden. "Heute Nachmittag können wir sie für unser Lagefeuer verwenden", verspricht sie. Das Mädchen nickt einsichtig. Auf dem Spielplatz, auf dem ein großer Sandkasten dominiert, gibt es auch eine Feuerstelle, umstellt von selbst gebauten Stühlen aus Baumstumpen. "Knüppelteig wird es dann auch geben", fügt Ulrike Scholz hinzu, während die Gruppe mit ihren Stöckchen schon auf den Weg ins Gebäude ist.
Eigentlich sollte die Villa schon im Oktober vergangenen Jahres fertig sein. Das klappte aber nicht und ist auch ein Grund dafür, dass manche Eltern von ihrem Kindergartenplatz bei den Wald- und Wiesenhopsern Abstand nahmen. "Nun haben wir noch sieben freie Plätze", merkt Ulrike Scholz an.
Insgesamt 52 Kinder kann die Einrichtung aufnehmen. Mehr sollen es werden, wenn auch das Dachgeschoss fertig gestellt ist. "Dort planen wir einen Hort mit vorerst zehn Kindern", erklärt die dreifache Mutter. Ulrike Scholz, 45 Jahre alt, bildet sich neben ihrer Arbeit gerade zur Kunsttherapeutin aus. Zu ihrem Team gehören sechs staatlich anerkannte Erzieher, ein Hausmeister und eine Ergänzungskraft.
Im neuen Haus sollen auch Seminare für Eltern angeboten werden. Familien erhalten die Möglichkeit, ihr Wochenende dort zu verbringen und das pädagogische Angebot des Naturkindergartens zu nutzen. "Ab Herbst bieten wir auch wieder den Elternführerschein an", sagt Ulrike Scholz. Dabei können sich Eltern beispielsweise Tipps zum Umgang mit ihrem Kind in schwierigen Situationen holen.
Bis es jedoch so weit ist, muss an manchen Ecken im Haus noch gefeilt werden. "Es gibt noch einiges zu tun", sagt Ulrike Scholz und verweist auf die von den Kindern selbst bemalten Hakenleisten, die als Garderoben dienen sollen.
Auch im Keller, wo drei großzügige Räume eine Art Kreativzentrum der Einrichtung bilden, muss noch an mancher Stelle Hand angelegt werden. "Zusammen mit unseren Kindern wollen wir da auch manches gemeinsam angehen", verkündet die Leiterin.
Mehr Informationen im Internet unter www.wiesenhopser.de.