Schneeflocken wirbeln durch die Luft. Thomas Reinke steht an einem Unterstand neben einer Holzhütte und nimmt prüfend seine Ausrüstung ins Visier. „Im Winter sollte man möglichst zwei getrennte Systeme dabei haben, zwei Regler für die Luft, falls ein System einfriert“, sagt er. Gleich will er in den Helenesee bei Frankfurt abtauchen.

Die Steilwände leuchten von gelb bis violett

„Das Motto heißt kalt, tief, dunkel“, sagt Reinke. Der 59-Jährige ist Mitglied im 1. Tauchsportclub Fürstenwalde und geht ein bis zweimal die Woche auf Tauchstation. „Ich hätte es gerne früher für mich entdeckt“, sagt der Mann aus der Gemeinde Siehdichum. Er taucht seit sechs Jahren. Als Kameramann musste er zu einer Unterwasserproduktion und „da wollte ich unbedingt mit ins Wasser“, erinnert sich der 59-Jährige. Er übte ein Mal in der Helene, dann ging es ans Set. „Dann war es um mich geschehen“, sagt er und muss lachen.
Heute seien Steinbrüche sein Steckenpferd. Deswegen tauche er auch so gerne im Helenesee. „Am liebsten bin ich bei der Braunkohle. Die Vorstellung, wie da die Bagger an den Steilwänden zugange waren“ – Reinke kommt ins Schwärmen. Jene Steilwände seien noch gut zu erkennen und leuchteten durch die Mineralien, die sich aus dem Gestein herausarbeiten. Gelb, orange, violett könne man entdecken, berichtet Reinke.
Unterwegs mit dem 1. Tauchsportclub Fürstenwalde

Wassersport Unterwegs mit dem 1. Tauchsportclub Fürstenwalde

Schweben und alles fallen lassen, ist beim Tauchen möglich

Heute will er mit Vereinskollege Andi, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, Richtung Schiffswracks im Helenesee tauchen. „Es ist ein entspannendes Gefühl, ein schönes Gefühl“, erklärt der 56-Jährige, „alles an Problemen kann ich beim Tauchen fallen lassen. Ich kann schweben.“
Damit sie gut und sicher zu den Wracks in 23 Metern Tiefe kommen, brauchen die Männer circa 20 Minuten Vorbereitungszeit. Sie überprüfen die Pressluft und die Reglersysteme und schlüpfen in einige Schichten Ausrüstung. Es muss nicht zwingend ein zentimeterdicker Neoprenanzug sein.

Hartgesotten geht es ohne Neoprenanzug in die Tiefen

„Es gibt Nassanzüge, Halbanzüge und Trockentauchanzüge. Letztere aus Neopren oder Trilaminat“, erklärt Michael Rath. Der Vereinsvorsitzende beobachtet die Männer. Thomas Reinke und Andi stülpen Latexhandschuhe über und zwängen den Kopf in eine knallenge Neoprenhaube. „Wenn alles gut geht, bleibt alles außer dem Kopf trocken“, erklärt Andi. Ansonsten tragen sie lediglich Trilaminatanzüge, die „wie ein Müllsack“ gegen das Wasser abdichten, aber nicht wie ein Neoprenanzug warm halten. Deswegen hat Reinke zusätzlich eine Heizweste im fünf Grad kalten Wasser an. Kälter als vier Grad wird es im Süßwasser nicht, im Meer sinke die Temperatur schon mal auf minus vier Grad, so Reinke. Dann sind die Männer fertig. Rund 40 Kilo wiegt die Montur an ihren Körpern.

Verein besteht schon seit 45 Jahren

Michael Rath will heute nicht ins Wasser. Er steht im Vereinsheim und hat Zeit zum Plaudern. „Bei der Gründungsversammlung war ich auch schon dabei“, erzählt er und deutet auf die Holzwand hinter sich. Ein Rettungsring hängt dort, 1. TCF, gegründet am 13. Januar 1975 als GST-GO „Spreeschwimmhalle“, steht darauf gedruckt. So hieß der Verein damals. 1977 bekam er einen Bungalow am Weststrand des Helenesees, 2004 ging es in einen ehemaligen Kulturbungalow am Hauptstrand. 2005 wurde das 120 Quadratmeter große Vereinsheim gebaut. Auch in Frankfurt.
„Klar liegen da immer 50 Kilometer dazwischen, aber die Helene ist einfach ein idealer See“, sagt Michael Rath. Seit 34 Jahren ist er Vorsitzender des Vereins. „103 Mitglieder haben wir mittlerweile. Davon ist die Hälfte richtig aktiv.“ Der Altersdurchschnitt betrage 54 Jahre, der Nachwuchs werde gefördert. Seit drei Jahren veranstaltet der Verein ein Tauchcamp für Frankfurter Schüler – gefördert durch die Aktion Mensch.
Auch Rath taucht noch immer gerne ab. Dabei zieht es ihn aber längst nicht mehr so tief wie seine Vereinskollegen. „Ich will Fische sehen“, verrät er. Doch ein Tauch-Erlebnis, das der Rentner nie vergessen wird, hat nichts mit den schuppigen Unterwasserwesen zu tun. „Es war in einem Jahr mit Eis. Die Sonne schien und ich tauchte, während ich zusehen konnte, wie über mir Schlittschuhläufer ihre Kreise zogen“, erzählt er und seine Augen leuchten.

Tauchverein verwundert über Surf-Park-Pläne

Die Freude am Tauchen wollen er und die anderen gern teilen. Für Interessierte gibt es Schnupperstunden. Die finden normalerweise montags im Schwapp statt. Auf drei Bahnen gibt es dann Flossentraining. „Man kann mal ausprobieren wie es ist, sein Gesicht unter Wasser zu halten“, erklärt Rath. Das Sportbecken ist ein fester Trainingsort für den Verein. Auch deshalb sind die Mitglieder verwundert über die Surf-Park-Pläne, von denen sie aus der MOZ erfuhren. „Wenn das Sportbecken wegfallen sollte, würde das unsere Vereinsarbeit negativ beeinflussen“, so Rath.