Fix voran kamen die Fürstenwalder Jugendliche am Sonnabend mit ihrem bunten Bild. Kein Wunder, denn selten vermutlich arbeiten so viele Sprayer gleichzeitig an einer Fläche. Rund 20 Jugendliche hatte sich am Vormittag am Fürstenwalder Bahnhof Gleis 1 schräg hinter dem Wasserturm eingefunden. „Idyllische Natur und Zugreisen“ hatten sie sich als Motiv gewählt, welches sie großflächig auf das dortige Trafohäuschen sprühten.
Die Aktion am Bahnhof steht in Zusammenhang mit dem Brandenburger Jugendkulturprojekt #anbahnen. Es soll die regionale Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen, ihren Vertretungen, Politik, Verwaltung, sozialer Arbeit sowie Initiativen stärken.

„Systemrelevante“ Jugendliche

Ein Verbund von Bildungsträgern, zu denen federführend das Kompetenzzentrum für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Brandenburg gehört, will mit #anbahnen zukunftsfähige Ideen und Strukturen für die schwierige Zeit während und nach der Corona-Krise entwickeln. Und zwar mit Kindern und Jugendlichen zusammen, die sie öffentlichkeitswirksam unter dem inzwischen geflügelten Schlagwort „systemrelevant“ ins Gespräch bringen. In 38 Orten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kommen, so hatte #anbahnen in einer Pressemitteilung angekündigt, Jugendliche zu kreative Aktionen an Bahngleisen zusammen. Darunter Sportübungen, Geigenmusik, Dinosaurier-Performances, Tanz und Musik.

Jugendliche mischen sich ein

An der Fürstenwalder Sprayaktion nehmen unter anderem Mitstreiter der Schule-ohne-Rassismus-Arbeitsgruppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, der Gruppe Social Kids und einer noch neuen Initiative namens Clicks for Politics teil. Letztere will sich demnächst mit einem eigenen Podcast auf der lokalen Ebene Fürstenwalde einmischen. „Wir wollen als erstes Jugendliche fragen, wie die Stadt für sie interessanter werden kann“, erzählt Bennedigt Wesling, der zusammen mit anderen Jugendlichen einen Workshop in der Jugendbildungsstätte Hirschluch zu Demokratie, Zivilgesellschaft und Beteiligung besuchte. Die Idee mit dem Podcast verfolgt nun den Zweck, junge Fürstenwalder zum Mitdenken und Mitreden zu bringen.
Die Social Kids indes befassen sich oft mit Umweltthemen und legen dabei praktisch Hand an, beispielsweise beim Müllsammeln an der Spree.

Sozialarbeit schob Aktion an

Zur Fürstenwalder Aktion hatten unter anderem die Stadtjugendpflege, die kommunalen Streetworker und die Jugendbasis alpha 1 aufgerufen. Mit Unterstützung einiger Jugendlicher haben sie das Projekt vorbereitet. „Wir haben die Jugendlichen gefragt, ‚wie geht`s, wollt was machen?’“, berichtet Kristina Şeker, Stadtjugendpflegerin, „und viele hatten Lust auf Sprayen.“ Das Ergebnis dürfte bald am Trafohäuschen an Gleis 1 zu bestaunen sein.