Ohne Trikot geht er nicht aufs Eis. "Vielleicht darf ich nicht mein eigenes tragen", sagt Max Meißner. Das trage nämlich den Namen eines ehemaligen Eisbären-Spielers und würde vielleicht falsch ankommen. "Aber dann lasse ich mir ein anderes geben."
Seit mehr als zehn Jahren macht Max Meißner unter dem Namen Kesh Rock-, Funk- und Rap-Musik, doch so wichtig wie für den Auftritt am Freitag war ihm die Wahl seiner Klamotten noch nie. Kein Wunder: Statt vor 2500 Zuschauern spielt er in der Berliner Mercedes-Benz Arena erstmals vor 10000 bis 12000; und statt eigene Fans mit seinen Liedern zu begeistern, will er mit einem völlig unbekannten Song Eisbären-Fans auf das zweite Heimspiel der noch jungen Eishockey-Saison einstimmen.
"Ich bin tierisch aufgeregt, wie der Song ankommen wird", sagt der 25-Jährige. Außer seiner mal sechs-, mal vierzehnköpfigen Band, mit der er seit drei Jahren spielt, und seiner Familie sind bisher nur wenige über den Auftritt eingeweiht. Zu groß sei die Angst, dass er doch noch platzen könnte. "Einmal", erzählt Meißner, "wurde er schon abgesagt." Ursprünglich sollte Kesh den Song "Jetzt oder nie" bei der Saisoneröffnung vergangenen Freitag spielen. "Irgendwie hat es dann nicht in den zeitlichen Ablauf gepasst."
Die Enttäuschung war schnell überwunden - auch, weil die Ereignisse der vergangenen Wochen dem Fürstenwalder ohnehin vorkommen wie ein Traum: eine in Rekordzeit produzierte Melodie, ein dazu geschriebener Text und schließlich ein fertiger Fan-Song, der das Vereinsmanagement so sehr begeistert, dass es Kesh für einen Live-Auftritt einlädt.
Eishockey-Fan ist Max Meißner erst seit zwei Jahren. "Meine Freundin hat mich angesteckt." Ihre Eisbären-verrückte Familie habe ihn zu Spielen mitgenommen; "die Stimmung dort hat mich fasziniert". Dann, an einem Abend im März, kommt ein Viertelfinalspiel der Deutschen Eishockeyliga. Berlin gegen Mannheim. Im Stadion erlebt Meißner live mit, wie die Anfeuerungsrufe der Fans den Verein gegen Mannheim doch noch zum Sprung ins Halbfinale beflügeln. "Da stand fest, dass ich einen Song machen werde." Meißner nimmt Kontakt zum Vereinssprecher auf, der sagt "mach mal" und ist vom Resultat überzeugt.
"Im amerikanischen Eishockey läuft vor dem Spiel und in den Pausen Hip Hop, deutsche Fans schwören eher auf Rock", sagt Meißner. Tagelang haben er und sein musikalischer Partner Max Krüger sich mit Fansongs beschäftigt, schließlich Gitarren, Schlagzeug und Keyboard zu einer rockigen Hymne arrangiert.
"Ganz egal wo wir auch stehen, egal was ihr prophezeit, schwarze Tage gibt es nicht, bei uns sind sie blau-rot-weiß", rappt Kesh; die Fürstenwalder Sängerin Sabrina Linke leiht ihre Stimme für den eingängigen Refrain. "Wir wollen die Puhdys nicht vom Thron stoßen", sagt Max Meißner noch - wohl wissend, dass gegen den Ohrwurm "Hey, wir wollen die Eisbärn sehen" kein Song ankommt. Für ihn und seine Band zähle allein der Auftritt am Freitagabend: die Arena, die Spieler, die Fans und mittendrin Kesh - im Trikot.