In einer solchen Umgebung war das Lokal von "Clara Nowak" zunächst hervorragend gediehen. Niemand störte sich daran, dass der Pianist - gespielt von Alexander Klein, der auch die musikalische Leitung des Abends in der Kulturfabrik inne hatte - zwar in Männerkleidern auftrat, sich aber Frieda nennen ließ. Die Chefin, mit ihren roten Haaren klar auf Claire Waldoff gemünzt, war mit ihrer Hauptakteurin liiert, na und? Dumm nur, dass diese krankheitsbedingt ausfiel und so Tresenkraft "Emmi Puderbach" (Alexandra-Magdalena Heinrich) einspringen musste. Auch der Aushilfskellner Emil (Ireneusz Rosinski) sollte am Ende auf die Bühne: "Wejen dem 175er" war der männliche Bühnengast des Abends verhaftet worden - nicht nur auf Druck der Nazis wurde die strafbare Homosexualität (§ 175) mehr und mehr verfolgt.
So schwermütig wie die bisherige Inhaltsangabe kam leider auch die erste Hälfte des ubs-Auftritts rüber. Nur hin und wieder blitzte der oft vulgäre Charme der alten Schlager durch. "Wegen dir hab ich meine jute Stellung bei Tietz aufjejeben", schluchzte, fluchte und brüllte Clara ihrer verflossenen Liebe hinterher. Oder sie beschimpfte ihr untreues "Paulchen", hielt ihm aber doch ein kleinen Scheunentürchen für die Rückkehr offen - in diesen Momenten konnte Renate Pick ihr gesangliches Können voll ausspielen.
Mehr Schwung bekam der Abend nach der etwas zu langen Pause, als das Not-Ensemble am letzten Abend vor einer ohnehin erwarteten Schließung nochmal richtig Gas gab. Jetzt kamen zum Vergnügen des Publikums die Gassenhauer; darunter "Hannelore", "Raus mit den Männern aus dem Reichstag" und - in der Zugabe - "Wer schmeißt denn da mit Lehm?"